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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 364 | 1968 international Eine Metapher, keine Wendemarke

Eine Metapher, keine Wendemarke

Unter Linken wie unter GlobalhistorikerInnen gibt es die Tendenz, die 1968er-Bewegung als globales revolutionäres Subjekt zu interpretieren. Zwar habe sie sich weltweit in sehr verschiedenen Ländern und Kontexten gezeigt. Doch gerade die gemeinsame antikoloniale und antiimperialistische Stoßrichtung habe die Protestierenden in den Ländern des Nordens mit jenen in der Dritten Welt geeint. Der linke Historiker Arif Dirlik warnt demgegenüber davor, die Gemeinsamkeiten zu überschätzen. Wir präsentieren hier erstmals in deutscher Übersetzung die Kurzfassung eines Essays von ihm, der in der internationalen Literatur über 1968 viel rezipiert wurde.

 

Die Rolle der Dritten Welt für und während »1968«

von Arif Dirlik

Die Ambivalenz der Überschrift dieses Beitrags ist absichtlich. Eine Dritte-Welt-Perspektive auf das Jahr 1968 erfordert eine doppelte Sicht. Erstens verlangt sie anzuerkennen, dass die Dritte Welt als Vorstellung und Realität in den Geschehnissen von 1968 in auffälliger Weise präsent war, nicht nur in den vom Begriff „Dritte Welt“ umfassten Regionen, sondern auch und in größerer Bedeutung in der Ersten (und Zweiten) Welt. Die Position, dass die Entstehung der Dritten Welt sowohl als Herausforderung der Ersten, aber auch als Ersatz für die Zweite Welt des sowjetischen und osteuropäischen Kommunismus ein wesentlicher Aspekt von 1968 war, ist vernünftig. Dies wirft die Frage auf, ob ‚1968’ den Geschichtsschreibungen der Dritten Welt in derselben Form als Wegmarke dienen kann, wie es zur Zäsur in den Geschichtsschreibungen der Ersten und Zweiten Welt wurde und, aus ebenjenem Grund, zur Dialektik zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen in der Konstruktion von 1968 als historischer Wegmarke.

Es ist dieser letztere Aspekt, der in der folgenden Diskussion Priorität genießt. Angesichts des riesigen Territoriums und der noch größeren Unterschiede der durch den Begriff „Dritte Welt“ umfassten Gesellschaften, die sich nicht auf einfache Weise umfassend abbilden lassen und sicherlich die Perspektive eines einzelnen Historikers übersteigen, ist die Diskussion eher illustrativ denn umfassend. Meine Auswahl der Fälle, in denen es 1968 bedeutsame Geschehnisse gab, wird, so hoffe ich, den irreführenden Eindruck, dass 1968 überall in der Dritten Welt von gleicher Bedeutung war, nicht reproduzieren. (…)

Das Neunzehnhundertachtundsechzig, wie ich es verstehe, war keine zeitliche Verortung eines universellen Geistes oder einer universellen Tendenz, wie sie sich in verschiedener Form an unterschiedlichen Orten ausdrückte. Es besaß auch nicht überall dieselbe Bedeutung als historischer „Wendepunkt“. Aus der Perspektive Europas und der USA schufen die Intensivierung studentischer Aktivitäten in den 1968 unmittelbar  vorausgehenden Jahren und deren scheinbar irreversibler Niedergang im Anschluss den Eindruck, dass 1968 eine eindeutige historische Wegmarke ist. Dies ist in der Dritten Welt nicht der Fall. Die vorhergehende Geschichte der Einbindung von Intellektuellen in die nationalen Befreiungskämpfe verwischt die Besonderheit von 1968, wie es auch die Intensivierung radikaler Aktivität an vielen Orten nach 1968 tut. Unter den Nationen der Dritten Welt, in denen es zu wesentlichen studentischen Aktivitäten kam, finden sich Brasilien, die Zentralafrikanische Republik, Chile, Ecuador, El Salvador, Äthiopien, Ghana, Indien, Indonesien, Malaysia, Marokko, Nicaragua, Südafrika, Südkorea, Sri Lanka, Sudan, Tansania, Thailand und Sambia.[1]

Aus einer globalen Perspektive erhält 1968 seine Bedeutung aus dem Zusammentreffen vieler Bewegungen auf der ganzen Welt, die bereits seit einiger Zeit aufkeimten und deren Gleichzeitigkeit aus dem Jahr 1968 einen historischen Wendepunkt machte. Diese Gleichzeitigkeit lässt 1968 als Höhepunkt vorhergehender Jahre erscheinen oder als Ausgangspunkt für die kommenden Jahre; daraus leitet sich nicht ab, dass die einzelnen Bewegungen, die in die Entstehung von 1968 einfließen, notwendigerweise in jenem Jahr ihren Höhepunkt erreicht hatten oder auch nur, dass 1968 als gleichermaßen bedeutsam erscheint, wenn es aus dem Inneren dieser verschiedenen Bewegungen betrachtet wird. Es ist, als hätte eine Vielzahl von Zeitlichkeiten zu diesem Zeitpunkt miteinander die Wege gekreuzt, zusammengezogen von globalen Kräften, die für einen Moment ihre vielen Differenzen überwunden hätten, nur damit diese Differenzen geschärft und sie einmal mehr auf ihre eigenen Verläufe getrieben würden. Dieses vorübergehende Zusammentreffen sollte ein dauerhaftes Zeichen in ihren Zukünften hinterlassen, aber wenn wir 1968 in all seinen Widersprüchen erfassen wollen, sind ihre Unterschiede nicht weniger bedeutsam als die einfacher auszumachenden Gemeinsamkeiten, die in diesem Jahr in den Vordergrund rückten.

Sicher gab es Gemeinsamkeiten. 1968 schien Bewegung auf Bewegung in einem Land nach dem anderen zu folgen. Überall standen Studentenbewegungen im Mittelpunkt und vermittelten so den Eindruck der weltweiten Politisierung von Bildung. Das Übergewicht der Studierenden in diesen Bewegungen garantierte fast unfehlbar, dass gemeinsame Fragen in Bezug auf Bildung, Bildungsinstitutionen und deren Rolle in der Gesellschaft in vielen verschiedenen Kontexten zur Sprache kamen. In jedem der Fälle schien das Verhältnis zwischen Bildung und Politik eine brennende Frage zu sein. Kommunikation zwischen völlig verschiedenen Gesellschaften, in vielen Fällen vermischt mit organisatorischen Verbindungen zwischen Studierenden, deuteten nicht nur auf unterschiedliche Bewegungen mit gemeinsamen Anliegen hin, sondern vermittelten den Eindruck einer organisierten Bewegung, die nationale und sogar kontinentale Barrieren überstieg. […]

Die Gemeinsamkeiten mögen jedoch überbetont sein. Die Missstände waren nicht nur „im heimischen Boden verwurzelt“; in vielen Fällen hatten die Bewegungen von 1968 ihre eigenen Geschichten, die zu bedeutsamen Unterschieden in ihrer Konfiguration führten und ganz unterschiedliche Lösungen der Missstände, die sie hervorgerufen hatten, erforderlich machten. In den Worten eines Historikers der politischen Bewegungen der 1960er in der Türkei (seinerseits ein Aktivist): „Es ist nicht ganz zutreffend, Zusammenhänge zwischen den Vorgängen in Europa und denen der Türkei herzustellen. Zweifelsohne haben die Kommunikationsmedien psychologische Effekte erschaffen, die einen gewissen Grad an Übereinstimmung mit den dortigen [gemeint ist Europa] Vorgängen produzierten. Aber die sich in der Türkei abspielenden Entwicklungen waren keinesfalls Kopien der europäischen Vorgänge“.[2]

Bevor ich im Folgenden einige Fälle aus der Dritten Welt skizziere, die diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede illustrieren, ist es wichtig, zwei allgemeine Unterschiede festzuhalten, die die Kontexte der Dritten Welt unterscheiden. Erstens, da an 1968 vor allem der Studentenaufstand auffallend war, ist es wichtig, die Unterschiede bei der politischen Beteiligung von Studierenden in der Ersten und Dritten Welt zu berücksichtigen. Während im ersten Fall die Beteiligung von Studierenden an der Politik ein Phänomen der 1960er war, waren in den meisten Fällen aus der Dritten Welt die Studierenden bereits seit langem an der Politik beteiligt, und ihre Aktivitäten hatten eine wichtige Rolle in den nationalen Befreiungskämpfen gegen den Kolonialismus gespielt. In ihrem Fall war die Bedeutung von 1968 als neue, eigenständige Markierung durch die Vorgeschichte deutlich abgeschwächt.

Zweitens: Auch wenn man argumentieren kann, dass die weltweite Verbreitung von Ideen überall bei den Geschehnissen von 1968 eine wichtige Rolle gespielt hat, ist es ebenso wichtig zu berücksichtigen, dass es bezüglich der Intensität und der Reichweite der Kommunikation bedeutsame Unterschiede zwischen der Ersten und der Welt gab, sei es auch nur, weil es zu den Medien, insbesondere Fernsehen, in der Dritten Welt nur sehr viel schlechtere Zugangsmöglichkeiten gab. Während Studierende in den Gesellschaften der Ersten Welt in den 1960er Jahren sprichwörtlich weltweite Geschehnisse sehen konnten, spielten für Studenten in den Gesellschaften der Dritten Welt Radio, Zeitungen und organisatorische Netzwerke die wichtigste Rolle in der Kommunikation. Die unterschiedliche Auswirkung der verschiedenen Medien muss bei der Analyse von 1968 in der Dritten Welt als Faktor berücksichtigt werden, und innerhalb dieser die Auswirkung weltweiter Geschehnisse in unterschiedlichen nationalen Situationen. Dies ist eine technische Frage, abhängig vom Niveau der technologischen Entwicklung, aber nicht nur, da auch die politische Kontrolle über die Medien bedeutsam für den Zugang zu weltweiten Geschehnissen sind. Wie auch bei der vorhergehenden Bestimmung trifft auf jeden Fall zu, dass der begrenzte Zugang zu Informationen über globale Geschehnisse die Rolle der lokalen Entwicklungen in der Formung der Geschehnisse von 1968 in der Dritten Welt verstärkte.

 

1968 in der Dritten Welt: Die Volksrepublik China

Man kann sagen, dass die weltweiten Aufstände von 1968 für die Volksrepublik China, die von der Welt so stark abgeschottet war, wie es für eine größere gesellschaftliche Formation in der Moderne überhaupt nur möglich war, am wenigsten relevant waren. Sicher, in jenem Jahr gab es auch in China bedeutsame Aufstände. Der am besten dokumentierte Fall ist die Tsinghua-Universität in Beijing, eine von Chinas renommiertesten Universitäten, die zwischen April und Juli 1968 Schauplatz zugespitzter Auseinandersetzungen zwischen unterschiedlichen Fraktionen von StudentInnen war, an denen schließlich auch ArbeiterInnen, die Volksbefreiungsarmee und die höchsten Ebenen der Partei- und Regierungsführung beteiligt waren.[3] Es gab 1968 in ganz China vergleichbare Geschehnisse. Doch diese Geschehnisse hatten wenig mit den anderswo stattfindenden Entwicklungen während dieses Jahres zu tun.

Mit China beginne ich aber nicht deshalb, weil 1968 so wichtig für China wäre, sondern aufgrund der Bedeutung, die China für 1968 besitzt. Eben weil China von den weltweiten Geschehnissen in den 1960er Jahren, insbesondere nach 1966, abgeschnitten war, steht es exemplarisch für eine Situation in der Dritten Welt, in der 1968 ein Produkt intern erschaffener Konflikte war. Aber die Vorgänge in China während dieser Jahre sollten weltweite Auswirkungen haben, da zuerst das chinesisch-sowjetische Zerwürfnis und dann die Kulturrevolution (offiziell von 1966-69) die Volksrepublik ins Zentrum des Weltradikalismus rückte und die chinesischen revolutionären Erfahrungen zu einem Paradigma nicht nur der Dritten Welt, sondern auch der Ersten machte. Von den Philippinen bis Peru, von Japan bis Nordamerika sollten Mao Tse-Tungs Marxismus und die Praktiken der Kulturrevolution eine bedeutsame Rolle in der Entstehung von 1968 spielen[4].

Ronald Fraser schreibt, dass die Anziehungskraft des Maoismus „nicht nur aus dessen ‚organisatorischem Modell‘ erwuchs, sondern weil es eine vorgefertigte revolutionäre Antwort auf die Deformationen des Kommunismus russischen Stils und der westlichen kommunistischen Parteien lieferte. Seit dem chinesisch-russischen Zerwürfnis in den frühen 1960ern stellte China ein alternatives revolutionäres Modell dar, das für viele Studierende zusätzliches Gewicht durch die Kulturrevolution von 1965-69 erhielt“[5]. 1968 befand sich China in der Kulturrevolution, die ihren radikalsten Höhepunkt indes bereits überschritten hatte. Die von Mao Tse-Tung 1966 initiierte „Revolution in der Revolution“ war schnell über das hinausgegangen, was der radikalen Führung noch erlaubt schien und war 1968 in fraktionelle Kämpfe degeneriert. Die Kämpfe der StudentInnen an der Tsinghua-Universität und anderswo ließen weiterhin revolutionäre Slogans zur Legitimierung der fraktionellen Machtkämpfe erklingen und sollten bald in der umfassenden Säuberung der radikalen Studenten, mit der die Macht der Kommunistischen Partei wiederhergestellt werden sollte, ihren Höhepunkt finden. Aber 1968 transportierten diese Slogans das Prestige der revolutionären Träume, von denen sie inspiriert waren, immer noch zu vielen Menschen innerhalb und außerhalb Chinas. Und diese Träume waren ein Bestandteil der Entstehung von 1968.

Im Zentrum des chinesischen revolutionären Paradigmas stand ein Entwicklungsmodell, das eine Alternative zum unkontrollierten Konsumismus der fortgeschrittenen kapitalistischen Gesellschaften und dem Bürokratismus des Sozialismus sowjetischen Stils versprach, die, ungeachtet ihrer Unterschiede, eine entwicklungsorientierte Ideologie zu teilen schienen, die kein demokratisch verteiltes Glück hervorbrachte, sondern gesellschaftliche und politische Hierarchien, die sich auf Unterdrückung, Ausbeutung und Entfremdung stützten. Dem Gedanken Geltung zu verschaffen, dass das Volk während der Phase der Entwicklung den Vorrang genieße, stellte eine wesentliche Quelle der Anziehungskraft des maoistischen Marxismus dar, wie auch die Prämisse, dass gesellschaftliche und politische Solidarität die gemeinsam geteilte Armut mehr als kompensierten.

Der während der Jahre der Kulturrevolution prominente Slogan des „Selbstvertrauens“[6] sicherte erneut die Möglichkeit gesellschaftlicher und nationaler Würde in Armut, da es die Kontrolle über das ökonomische und gesellschaftliche Alltagsleben statt der Unterordnung unter die abstrakten Kräfte des Markts und der Bürokratie versprach.[7] Es erübrigt sich zu sagen, dass die nationale Autonomie gegen die Kräfte des materiellen und kulturellen Imperialismus die Bedingung für das Selbstvertrauen war. Selbstvertrauen war nicht nur der Schlüssel zu den materiellen Voraussetzungen des maoistischen Sozialismus, sondern, wichtiger noch, es war auch der Schlüssel zur Erschaffung einer neuen Kultur, ohne die der Sozialismus keine Realität werden konnte. Die chinesischen Bevölkerung vom korrumpierenden Einfluss einer globalen Kultur fernzuhalten, die vom Kapitalismus (oder seinem bürokratischen Gegenüber im Stil des sowjetischen Sozialismus) dominiert war, wurde im radikalen maoistischen Gedankengut zur Voraussetzung, die Spaltungen der chinesischen Gesellschaft entlang von ‚Rasse’, Geschlecht, Ethnien und Generationen aufzuheben - mithin ein wichtiges Ziel der Kulturrevolution Mitte der 1960er Jahre.

Im Nachhinein betrachtet stellt die Kulturrevolution eine Unternehmung dar, in der die Erschaffung einer solchen neuen Kultur nicht nur die Dimension eines moralischen, sondern eines religiösen Imperativs annahm. Anstatt bei der Überwindung gesellschaftlicher Spaltungen zu helfen, führte die Verdinglichung der Ideologie dazu, dass diese zu unüberwindbaren Antagonismen wurden, die nur durch die Vernichtung derjenigen, die als Feinde deklariert wurden, gelöst werden konnten. Dies ist exakt das, woran sich die Studenten der Tsinghua-Universität 1968 machten. Aber dies lässt sich erst in der Rückbetrachtung feststellen. Während die Kulturrevolution andauerte und vor dem Hintergrund der Bedingungen der 1960er Jahre, war das Hervorstechendste an ihr der moralische Eifer, mit dem die Maoisten Probleme gesellschaftlicher Spaltung und Entfremdung angingen. China war auch deshalb beispielgebend, weil es, im Gegensatz zu anderen Gesellschaften, die politische Führung war, die den Versuch der Revolutionierung der Gesellschaft initiierte. Die religiöse Anbetung eines Führers, die oft komische Dimensionen annahm, schien den Radikalen, die politisch die Demokratie suchten, sich aber scheinbar vorwiegend um die entfremdenden Kräfte kümmerten, die bei der Gestaltung der Gesellschaft am Werk waren, ein kleiner Preis zu sein.

Das maoistische Paradigma bezog weitere Attraktivität aus seiner Verschmelzung mit anderen Kämpfen der Dritten Welt in den 1960ern, die gemeinsam als Vorboten einer neuen Form des Sozialismus und einer neuen Gesellschaft dienten. Von besonderer Bedeutung waren in dieser Hinsicht die Kämpfe in Vietnam und Kuba. Vietnam stellte 1968 das unmittelbarste Modell einer Revolution des Volkes dar, das auch den globalen Konflikt zwischen der Ersten und der Dritten Welt in den Vordergrund trug. Wenn China ein Paradigma für eine alternative Entwicklung bot, dann war Vietnam in den 1960ern ein Beispiel für eine Gesellschaft, die dieses Paradigma gegen die Unmittelbarkeit des Imperialismus anstrebte. Der Schlag, den die Tet-Offensive im Januar 1968 den US-Kriegsanstrengungen versetzte, war Zeugnis für die Macht des Volkes gegen die mächtigste Kriegsmaschine, die der fortgeschrittene Kapitalismus hervorgebracht hatte. Der antiimperialistische Kampf von unten in Vietnam verlieh dem volksbasierten chinesischen Entwicklungsmodell zusätzliches Gewicht, da beide Ergebnis nationaler Befreiungskämpfe gegen den Imperialismus waren, von denen die chinesische Revolution nur der erste Fall war. Der Guerillakrieg, der enge Verbindungen zwischen der Bevölkerung und dem Militär zur Voraussetzung hatte, wurde zum Symbol für solche Kämpfe. Dies war das „organisatorische Modell“.

Der Guerillakrieg, wie er in der Tet-Offensive exemplarisch zum Ausdruck kam, muss jedoch von einem anderen Beispiel für den Guerillakrieg unterschieden werden, der damals durch Che Guevaras Aktivitäten in Bolivien personifiziert wurde und mit seinem Tod durch den CIA und das bolivianische Militär wenige Monate zuvor geendet hatte. Die 1968 dominierende Verwirrung bezüglich beidem war für die radikale Bewegung fatal. Denn es besteht ein gewaltiger Unterschied zwischen einer militärischen Operation wie Tet, die in ihrem Einsatz von Guerillataktiken sehr gründlich entworfen worden war, und einer Guerillaoperation, die sich in der Hoffnung auf eine schlussendlich militärische Operation der nationalen Befreiung in großenteils unbekanntes Gebiet vorwagte. Fidel Castro sollte 1968 zum „Jahr der Heroischen Guerilla“ erklären. In diesem Jahr schufen in der Dritten wie in der Ersten Welt die Bilder von Guevara, die häufig von Mao-Bildern begleitet wurden, den Eindruck, es gäbe eine globale Guerilla. Doch Mao und Che trennten Welten.

Sie teilten zwar einige Ansichten, allem voran den Antiimperialismus, die Vorstellung eines Sozialismus, der auf dem Volk aufbaut, und den Glauben an die Fähigkeit des revolutionären Kampfes, eine neue revolutionäre Kultur zu erschaffen.[8] Was sie aber 1968 vor allem vereinte, waren die Bilder der Ersten Welt von der Dritten Welt sowie die Vorstellungen in der Dritten Welt, dass das, was gegen den Imperialismus an einem Ort funktionierte, ebenso gut an einem anderen funktionieren würde. Es erübrigt sich zu sagen, dass letzteres im Widerspruch zu den Grundlagen des Guerillakrieges selbst steht; aber in den unbesonnenen Tagen von 1968 hatten solche subtilen Unterscheidungen nicht viel Gewicht. […]

 

1968 in Indien

[…] 1968 gab es in Indien „59 Studentenunruhen, die das normale Funktionieren der akademischen Institutionen behinderten“. In Bezug auf Zahl und Ausmaß werden die Studentenunruhen von 1968 jedoch von den Vorgängen von 1966 in den Schatten gestellt, als es „annähernd 2206 Studentendemonstrationen [gab], von denen 480 gewalttätig waren“[9], und von den Vorgängen 1970, als „organisierte Attacken auf [Bildungseinrichtungen] in vollem Gang waren“[10]. Banerjee schreibt, dass 1970 an der Universität von Kalkutta[11] „Schablonenzeichnungen Mao Tse Tungs wohlwollend von Schul- und Collegewänden herabblickten, auf denen laute Buchstaben herausschrien: „Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen“, während gleichzeitig Akten und Aufzeichnungen, Fragebögen, Stühle und Tische in Flammen aufgingen“[12]. In den folgenden Monaten betätigten die Studierenden sich in einer „Kulturrevolution“, wenn sie die Bilder von „Kompradorenkapitalisten“ (einschließlich Gandhi) angriffen und die Polizei in bewaffnete Kämpfe verwickelten. Im November gab es bereits zehn bis zwanzigtausend Kader, die in Westbengalen operierten, die Hälfte davon in der Gegend um Kolkata. Bei den Kämpfen starben 36 Polizisten und 400 wurden verletzt.[13]

Laut der Studie von Vishwa Yuvak Kendra waren Studierende 1968 im ganzen Land aktiv, Ihre Aktivitäten reichten von spezifischen studentischen Anliegen bis hin zu Protesten mit weitreichenden sozialen und politischen Konsequenzen, wie etwa die anti-englische Agitation in Rajasthan, die anti-Hindi-Agitation unter tamilischen Studierenden in Mysore und Andrah Pradesh, sowie die partisanenartigen politischen Bewegungen gegen den Besuch des Weltbankpräsidenten Robert McNamara.[14] (…)

1968 waren es nicht die Aufstände der Studierenden, sondern der Bauern, die im Zentrum des indischen Radikalismus standen. Nach Bauernaufständen in Naxalbari zwischen Mai und Juli 1967 kam es zu Kämpfen von Adivasi[15] gegen die Unterdrückung durch Landbesitzer in Srikakulam, die bis Ende 1968 zum Entstehen einer Guerillabewegung geführt hatte. Kommunistische Intellektuelle waren seit den frühen 1960ern an der Mobilisierung von Bauern beteiligt gewesen. 1966 gesellten sich ihnen marxistische Studentenführer hinzu, die nach Studentenprotesten im Oktober aus dem Presidency College in Kolkata ausgeschlossen worden waren. Agrarisch geprägte Aufstände nach 1967 führten zu einem Dissens zwischen indischen Marxisten, was im Frühjahr 1969 zur Gründung der maoistischen Kommunistischen Partei Indiens (Marxisten-Leninisten) führte, den Naxaliten, die von Charu Mazumdar angeführt wurden. […]

Während die Naxaliten unter dem Banner des Maoismus agierten und Charu Mazumdar erklärte, dass „Chinas Steuermann unser Steuermann [ist]“, drückten die chinesischen Führer, die nach außen hin die Bewegung unterstützten, privat ihre Skepsis gegenüber den Naxaliten aus. Banerjee schreibt, dass die Naxaliten Teil des „gegenwärtigen, weltweiten Impulses unter Radikalen [waren], zu den Wurzeln des revolutionären Idealismus zurückzukehren“, wobei er jedoch hinzufügte, dass die „Bewegung von Naxalbari sowohl durch die Bauernaufstände des 18. und 19. Jahrhunderts als auch von organisierten bewaffneten Bauernkämpfen, die von Kommunisten in den 1940ern in Telengana geführt wurde, inspiriert wurde“.[16] Aus einer anderen Perspektive warf Sengupta, der selber Maoist war, Mazumdar vor, die Ansichten des Steuermanns durch den „kleinbürgerlichen Revolutionismus der … Theorie des Guerillakrieges von Che Guevara“[17] zu verzerren.

 

1968 in der Türkei

Neunzehnhundertachtundsechzig war in der Türkei ein ereignisreiches Jahr.[18] Beginnend im April setzte eine „Boykott- und Besetzungs-“Bewegung ein, die sich rasch von Ankara nach Istanbul und auf Provinzuniversitäten jeder größeren Stadt ausbreitete. Im Juni waren die Universitäten in der Türkei lahm gelegt. Die bildungspolitischen Anliegen, die zu der „Boykott- und Besetzungs-Bewegung" geführt hatten und an der sich viele Studierende beteiligten, wurden kurzzeitig von Fraktionskämpfen unter den Studenten überschattet. Dadurch wurden die Universitäten zu Kampfgebieten, in denen sich, ähnlich wie an der Tsinghua-Universität in Beijing, bewaffnete Gruppen in anhaltenden Auseinandersetzungen gegenüberstanden. Geformt durch die politischen Spaltungen, die das Land seit 1965 erschüttert hatten, wurden die Studentenbewegungen von 1968 das Medium, durch das tief sitzende gesellschaftliche Spaltungen artikuliert wurden. Wenig überraschend, drängte die Bewegung in einer nach der anderen Stadt von den Universitäten auf die Straßen, wo es einen Bürgerkrieg „niedriger Intensität“ gab, der bis weit in die 1970er Jahre dauerte.

Wie in den Fällen Chinas und Indiens war auch in der Türkei die Beteiligung anderer Gruppen als die der Studierenden dafür verantwortlich, dass der Eindruck eines Bürgerkriegs entstand. Ab dem Februar 1968 begleiteten Arbeiterunruhen die Studentenbewegung, was schließlich zu der öffentlich stark wahrgenommenen Übernahme eines Gummiwerks im Juli in Istanbul führte. Der Klassenkonflikt (der durch Stammes- und ethnische Konfrontationen verschärft wurde) war während dieses Jahrzehnts in den ländlichen Gegenden, insbesondere im Osten der Türkei, endemisch gewesen. Diese Konflikte wurden durch Spaltungen im politischen System angeheizt und vertieft.

Auch die Studentenbewegung in der Türkei drückte sich in der Sprache des zeitgenössischen Radikalismus aus. Antiimperialismus und die Suche nach nationaler politischer und ökonomischer Autonomie waren zentral für die Grammatik dieser Sprache, die von der Kubakrise, aber insbesondere durch den Konflikt in Zypern im Jahr 1965 genährt wurde. Viele waren zunehmend besorgt, dass die Türkei nur wenig mehr als ein Faustpfand in der globalen Strategie der USA war; bei mindestens zwei radikalen Geschehnissen kam es zu gewalttätigen Reaktionen auf die Provokationen der Sechsten Flotte der USA. Der Wunsch nach einer autonomen nationalen Kultur als auch die Suche nach lokalen Revolutionen von unten kamen am deutlichsten in den Forderungen der KurdInnen der Osttürkei zum Ausdruck. Die größte linksradikale Studentenorganisation Dev-Genc (Union der Revolutionären Jugend), die im April 1968 gegründet wurde, sollte zu einem Rekrutierungsbecken für den Maoismus werden. Wie in Indien sollte der Maoismus die Revolutionäre von 1968 inspirieren. […]

Was den Fall der Türkei im Jahr 1968 charakterisiert (und ihm einige Ähnlichkeit mit dem indischen Fall verleiht), war jedoch die ideologische Spaltung in den Reihen der Radikalen, die sich in diesem Fall nicht auf die Linken beschränkte. Wie auch immer die Linke in der Türkei dem zeitgenössischen Wiedererstarken linker Bewegungen weltweit ähneln mochte, befand sie sich doch für den Großteil der 1960er in der Defensive. Wie anderswo auch, war sie innerlich gespalten, aber die entscheidenden Spaltungen waren jene zwischen linken Intellektuellen, rechten islamischen Fundamentalisten (einschließlich des späteren Premierministers Necmettin Erbakan) sowie rechten Nationalisten, die von Alparslan Turkes angeführt wurden, dessen faschistische Ideologie durch das Verlangen nach einem großtürkischen Reich („Turan“), das sich von Zentralasien zur heutigen Türkei erstreckt, angetrieben wurde.

Rechte politische Gruppen und ihre Aktivitäten spielten eine wichtige Rolle in der Gestaltung der radikalen Bewegung von 1968 und folgender Jahre, wobei die Fundamentalisten sich im Einzugsbereich von Moscheen organisierten und die Nationalisten in populistischen Organisationen mit ihren Kommandozentralen. Bis August hatten einige der islamistischen Gruppen einen „Dschihad“ gegen die Linke mit dem Versprechen ausgerufen, dass die Zukunft der Türkei nicht wie in Vietnam oder Kuba, sondern wie in Indonesien aussehen würde.[19] Es waren die Guerillagruppen von Turkes, die im August 1968 aus politischen Konflikte bewaffnete machte, wodurch Guerillaformationen entstanden, die in folgenden Jahren die radikalen Aktivitäten gestalten sollten.

[…] Im Gefolge des Militärcoups vom 27. Mai 1960 war eine neue Verfassung erlassen worden, die, obgleich sie grundsätzlich die kemalistische Ideologie erneut bestätigte (insbesondere den Säkularismus und die Rolle des Staates), den Weg eröffnet hatte für politische Freiheiten, die das Gedeihen linker Parteien und Ideologien erlaubte. Die Verfassung ermöglichte auch eine nie da gewesene, offene Hinterfragung der Bedeutung der kemalistischen Republik.[20] Das neue Regime war jedoch nicht in der Lage, das Wachstum der islamistischen politischen Bewegungen einzudämmen. Mit dem Wahlsieg der Gerechtigkeitspartei[21] im Jahr 1965 brachte das an der Macht befindliche Regime sein Gewicht hinter diese Bewegungen und förderte deren Wachstum gegen den Kommunismus. Die „Associations for Battling Communism (gegründet 1963) und die Kommandos von Turkes, der selbst einer der Führer des Militärputsches von 1960 gewesen war, sollten in den Geschehnissen von 1968 eine wichtige Rolle spielen. Während in den meisten Gesellschaften die Geschehnisse von 1968 von Linken in Gang gebracht worden waren, war es in der Türkei eine Studentin der Fakultät für Theologie an der Universität von Ankara, die die Bewegung des „Boykotts und der Besetzung“ ins Leben rief. Sie hatte darauf bestanden, im Seminar ein Kopftuch zu tragen, eine Handlung, die nicht nur juristisch den kemalistischen Säkularismus herausforderte, sondern auch dessen Legitimität infrage stellte.[22]

 

1968 in Ägypten und Äthiopien

In den 1960er Jahren gärte es unter den Studierenden in ganz Afrika. In den meisten Fällen, insbesondere im subsaharischen Afrika, fand dies seinen Höhepunkt in den radikalen Bewegungen der 1970er. In unmittelbarer Folge dieser Studentenunruhen in den 1960ern kam es zu einer kohärenteren Organisation der Studenten.[23] Sowohl in Ägypten als auch in Äthiopien kam es 1968 zu bedeutsamen studentischen Aktivitäten. Diese Fälle sind auch deshalb interessant, weil sie noch andere Faktoren in der Entstehung einer Studentenbewegung in der Dritten Welt zutage treten lassen.

Am 21. Februar 1968 beendeten Studenten in Kairo und Alexandria eine 14 Jahre dauernde Periode der Ruhe und gingen zur Unterstützung eines Streiks von Arbeitern auf die Straße. Während der folgenden Woche, „führte alleine der Aufstand in Kairo zum Tod von zwei Arbeitern. 77 Zivilisten und 146 Polizisten wurden verletzt, 635 Menschen wurden festgenommen, zusätzlich gab es Schäden an Autos und Gebäuden in der Hauptstadt“.[24] Frustrationen, die aus der Niederlage im Krieg mit Israel von 1967 entstanden waren, spielten sowohl im Streik als auch in den nachfolgenden Aktivitäten der Studenten eine wichtige Rolle. Nichtsdestotrotz boten diese Frustrationen die Gelegenheit, Unzufriedenheit mit dem Nasser-Regime zum Ausdruck zu bringen. Forderungen nach Demokratie an der Universität und der Gesellschaft insgesamt waren unter den Studenten stark. Parolen wie „Nieder mit dem Militärstaat“ oder „Nieder mit dem Geheimdienststaat“ waren auf den Studentendemonstrationen zu hören […]

Während einige Regierungsmitglieder lahme Versuche unternahmen, die Studentendemonstrationen Kräften von außen oder Reaktionären zuzuschreiben, die durch die Revolution von 1952 aus ihren Ämtern entfernt worden waren, nahmen die Behörden insgesamt eine versöhnlerische Haltung gegenüber den Studenten ein, die sie als „unsere Söhne und Brüder“ bezeichneten. Die Konzessionen der Regierung zugunsten größerer Freiheit an den Universitäten, begleitet vom Versprechen größerer politischer Freiheiten, entschärften die Situation. Doch die wiederhergestellte Ruhe wurde im November gebrochen, als die Studenten einmal mehr auf die Straße gingen, dieses Mal als Antwort auf das neue Bildungsgesetz, das an die Universitätszugangsprüfungen größere Anforderungen stellte. Die in der Stadt al-Mansoura am 21. November einsetzenden Demonstrationen breiteten sich rasch auf andere Städte aus und führten zu erheblichem Blutvergießen und Zerstörung. Auch wenn der Anlass im engeren Sinne die Hochschulbildung zu sein schien, nahmen auch Nichtstudenten an den Demonstrationen und Streiks teil. Diese zweite Runde der Gewalt im Jahr 1968 wurde durch die „praktischen“ Probleme beendet, die sich durch den Ramadan auftaten.[25] Dieses Mal war die Antwort der Regierung weniger nachsichtig, die Streiks zogen die Einschränkung der Freiheiten nach sich, die den Studenten zuvor zugestanden worden waren. Die durch die Geschehnisse von 1968 an die Oberfläche gebrachten Widersprüche wurden nicht gelöst und sollten im Jahr 1970 in noch militanteren Studentenprotesten ihren Höhepunkt finden.

[…]

Der Studentenaufstand in Äthiopien begann anlässlich einer scheinbar trivialen Angelegenheit und erschien nach außen hin als regressiv. Anlass war eine Modenschau, die am University College in Addis Ababa, einer von Ausländern dominierten Institution, abgehalten werden sollte. Am 30. März versammelten sich die Studenten in der Nähe der Ras-Makonnen-Halle, wo die Modenschau stattfinden sollte. Als die Gäste ankamen, „fingen einige Studenten an, Akte physischer Gewalt auszuüben; Frauen wurden geschlagen und geohrfeigt, Gäste und TeilnehmerInnen wurden unterschiedslos mit verfaulten Eiern beworfen; einige Gäste wurden aus ihren Autos gezogen und belästigt. Studenten bespuckten Frauen, Beschäftigte und andere Universitätsangehörige… An diesem Punkt und nur an diesem Punkt, wurde glasklar deutlich, dass abscheuliche terroristische Handlungen andauern würden, sofern nicht sofort die Polizei herbefohlen würde“.[26]

Die Polizei wurde gerufen, achtunddreißig Studenten wurden festgenommen, die Studentengewerkschaft wurde verboten und die Universität in der folgenden Woche geschlossen. Die Universität blieb bis in den frühen April geschlossen, aber als sie wiedereröffnet wurde, führte eine erhebliche Zahl von Studenten ihren Boykott der Seminare fort. Mit dem Beginn des neuen akademischen Jahres im November verfügten die Studenten über genügend Macht, um ihre Studentengewerkschaft wieder ins Leben zu rufen. Innerhalb ihr spielten Marxisten eine wichtige Rolle, was zur Eskalation des Studentenradikalismus nach 1968 beitragen sollte.

Der Fokus auf die Modenschau als Gelegenheit für Protest verlieh der Studentenbewegung von 1968 einen misogynen Charakter. „Studentinnen wurden harte Vorwürfe gemacht, wegen ihrer ‚beschämenden‘ Teilnahme an der Modenschau“, und ein studentisches Flugblatt versicherte, dass „sie als Komplizinnen der Neokolonialisten in die Geschichte eingehen werden… die für die Einführung des Minirocks und dessen Auswirkungen auf die Moral dieses Landes verantwortlich sind“.[27] Wie auch im zeitgenössischen China geschehen, brachte die Bewegung von 1968 ein scharfes Bewusstsein der kulturellen Dimensionen des Kolonialismus zum Ausdruck. Ein anderes Flugblatt erklärte, dass die „Modenschau nichts anderes ist, als ein solches Mittel des Neokolonialismus … ein Instrument für die Schaffung eines Marktes für Luxusgüter. Da der Ursprung dieser Waren in den entwickelten Nationen liegt, trägt der Ertrag vom Verkauf dieser Textilien überhaupt nicht zum Wachstum unseres lokalen Einkommens bei“.[28]

Bei ihrer Entstehung in den frühen 1960er Jahren befasste sich die Studentenbewegung in Äthiopien mit den Freiheiten der Studenten. Jene, die in den Seminaren von der Notwendigkeit der Freiheit erfahren hatten, wurden sich zunehmend des Mangels an Freiheiten in ihren eigenen Angelegenheiten bewusst. Dieses gewachsene Bewusstsein wurde in diesem Jahrzehnt noch durch andere Belange genährt. Die verstärkte Einmischung der USA in die äthiopischen Angelegenheiten nach 1960 ließ das Bewusstsein der Neokolonisierung der äthiopischen Gesellschaft wachsen. Der Krieg in Vietnam, der ein klarer Beweis für den US-Imperialismus in der Dritten Welt zu sein schien, führte zu einer Intensivierung der Opposition. Insbesondere nach 1958, als Studierende aus anderen Staaten nach Äthiopien kamen, beeinflussten auch die Entkolonialisierungsbewegungen anderer afrikanischer Staaten die Studenten.

Insbesondere auf kulturellem Gebiet sollten sie erheblich zur Stärkung des Bewusstseins von der „Afrikanität“ unter äthiopischen Studenten beitragen. Dies fiel mit Veränderungen in der Klassenzusammensetzung der Studenten an äthiopischen Hochschulen zuammen. Tiruneh schreibt, dass „die Proletarisierung der Studenten parallel zur Intensivierung der studentischen politischen Opposition zur Regierung verlief“.[29] Die Studenten waren sich der Kluft, die sie als Studenten von ihrer Herkunft aus ländlicher oder städtischer Armut trennte, sehr bewusst; nach 1965 sollten die Sorge um die ländliche Armut, die Ignoranz ihr gegenüber durch die Regierung und die Notwendigkeit einer Lösung für das Bewusstsein der Studenten grundlegend werden.

Die 1964 gegründete Krokodilgesellschaft[30] führte den Marxismus-Leninismus in die äthiopische Studentenbewegung ein. Der Marxismus in seiner maoistischen Variante war bis zum Sechsten Kongress der Nationalen Gewerkschaft äthiopischer Studenten im März 1967 zu einer wichtigen Strömung der Studentenbewegung geworden. Die Beschlüsse des Kongresses ignorierten die Sowjetunion „praktisch“, wohingegen sie „in deutlichen Worten Unterstützung und Bewunderung für Maos China und und Castros Kuba ausdrückten; der US-Imperialismus wurde durchgehend angeklagt. Der Kongress brachte seine Anerkennung der ‚immensen Errungenschaften‘ der chinesischen Revolution zum Ausdruck und verlangte den ‚rechtmäßigen‘ Platz der Volksrepublik China in den Vereinten Nationen. Er unterstützte ‚rückhaltlos‘ die Sache und den Kampf der kubanischen Revolution, von der gesagt wurde, dass sie ‚ein neues Zeitalter der revolutionären Bewegung in Lateinamerika angekündigt habe‘“.[31]

Im Fall der äthiopischen Studentenbewegung spielten organisatorische Netzwerke eine bedeutende Rolle, da die äthiopische Studentengewerkschaft in Europa und die äthiopische Studentengewerkschaft in Nordamerika mit der Bewegung in Äthiopien in Verbindung standen. Nichtsdestotrotz war das Bewusstsein der Afrikanität bedeutsam für die Art und Weise, in der die Ideologie der Bewegung zum Ausdruck gebracht wurde. Von besonderer Bedeutung war der Widerspruch zwischen den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen des Neokolonialismus und der neokolonialen Kultur, die die Hochschulbildung beherrschten. Obgleich die Antwort auf die Modenschau von 1968 oberflächlich betrachtet trivial war, wurde sie von diesem tiefliegenden Widerspruch ausgelöst. […]

 

Die Dritte Welt und 1968

Eine Dritte-Welt-Perspektive auf 1968 erfordert eine „Doppelvision“, die sowohl global als auch lokal ist, sollen die Komplexitäten radikaler Bewegungen in diesem Jahr gewürdigt werden. Die Vorgänge von 1968 spielten sich auf vielen nationalen Terrains ab und waren geprägt durch eine Vorstellung der Welt als in Drei Welten aufgeteilt, die damals ihre schärfste Ausprägung erreicht haben mochte. Aber 1968 stellte auch eine vorher nie da gewesene Globalisierung des radikalen Bewusstseins dar, die nationale Grenzen wie auch die durch die Metapher der Drei Welten implizierten Grenzen in Frage stellte. Das geschärfte Bewusstsein der Unterdrückungs- und Ausbeutungsverhältnisse zwischen den Drei Welten, die sehr viel zur Entstehung von 1968 beitrugen, wurde von einem ebenfalls geschärften Bewusstsein begleitet, dass diese Verhältnisse und die daraus entstandenen Probleme diese Welten enger zusammenbrachte, anstatt sie voneinander zu trennen. Das verbindende Element war eine globale Unterdrückungs- und Ausbeutungsstruktur, die allerdings in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche Formen annahm. Lösungen dieser Probleme in einem Kontext wurden nun auch für andere Kontexte als relevant erachtet.

Gleichzeitig gab es jedoch ein wachsendes Bewusstsein über die Notwendigkeit lokaler Lösungen für diese Probleme. So wie schon der amerikanische Imperialismus, der für den weltweiten Radikalismus eine große Rolle spielte, die durch die Ereignisse in Vietnam noch gewachsen war, amerikanische Lösungen für die Probleme der Welt diskreditierte, waren die vorhergehenden radikalen Lösungen, wie sie der sowjetische Kommunismus darstellte, insbesondere nach der Besetzung der Tschechoslowakei 1968 ein weiteres Opfer von 1968. In den 1960ern ersetzten alternative Entwicklungsparadigmen, wie sie die nationalen Befreiungsbewegungen der Dritten Welt darstellten, zunehmend frühere kapitalistische oder kommunistische Entwicklungsmodelle. Zumindest theoretisch war die Sensibilität für eine Entwicklung, die Interessen der lokalen Bevölkerung und die lokalen Bedingungen berücksichtigte, von zentraler Bedeutung. Entwicklungsparadigmen, die lokale Bedingungen berücksichtigen, untergraben zwar auch die Idee der nationalen Befreiung, aber dies wurde damals kaum wahrgenommen, außer vielleicht in dem Unterschied, der zwischen Mao Tse Tungs Marxismus und Che Guevaras „Anarchismus“ oder zwischen modernen agrarischen Bewegungen und ursprünglichen Traditionen agrarischer Aufstände gemacht wurde. Es bedurfte weiterer Entwicklungen, bevor Zapata in den Augen mexikanischer und internationaler Radikaler wieder Ansehen erlangen sollte.

Stattdessen gab es 1968 eine Tendenz zur Globalisierung der neuen Entwicklungsparadigmen, die aus vielen lokalen Kontexten hervorgegangen waren. So wie Radikale der Dritten Welt von radikalen Bewegungen in Europa und den Vereinigten Staaten inspiriert worden waren, nahmen Radikale der Ersten Welt Lösungen für gesellschaftliche Fragen der Dritten Welt als die ihren an. […]

Während die Globalisierung 1968 auf der Tagesordnung stand und von den implizit lokal orientierten neuen radikalen Paradigmen überschattet wurde, müssen wir, insbesondere in der Dritten Welt, wo die vorhergehende Geschichte für die Herausbildung, die Inhalte und die Form jeder Bewegung ziemlich wichtig war, der Versuchung widerstehen, den radikalen Bewegungen des Jahres eine gemeinsame Identität zuzuschreiben. In der Dritten Welt waren die 1960er Jahre für die Studierenden sowohl Jahre des Machtzuwachses als auch der Frustration. Studenten waren fraglos Mitglieder der Elite oder zumindest auf dem Weg dahin, was ihnen eine Vorstellung ihrer eigenen Bedeutung vermittelte und den Wunsch schuf, sich selbst politisch Geltung zu verschaffen. Gleichzeitig sahen sich die Studenten in Gesellschaften der Dritten Welt, die mit Problemen der neokolonialen Entwicklung konfrontiert waren, mit autoritären politischen Regimes oder Universitätsleitungen sowie begrenzten Aufstiegsaussichten konfrontiert. Der Zugang zu Hochschulbildung von Studierenden, insbesondere ländlichen, die nicht aus der Elite kamen, verschärfte die Widersprüche zwischen Bildung, sozialem Status und politischer Macht zusätzlich. Wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß, teilten sie mit ihren Kollegen aus der Ersten Welt einige dieser Anliegen, weshalb weltweit unter Studierenden Gemeinsamkeiten zu herrschen schienen.

In der Erforschung der Ursachen der studentischen „Delinquenz“ (Edward Shils), haben sich die mit den Studentenbewegungen der 1960er und 1970er befassten WissenschaftlerInnen fast ausschließlich auf diese Widersprüche konzentriert und andere fast vollständig außen vor gelassen.[32] Zusätzlich zu den Bildungsproblemen und zum Verhältnis zwischen Bildung und Gesellschaft muss hervorgehoben werden, dass die Korruption der Regierungen sowie Gesetzlosigkeit häufig eine wichtige Rolle bei der Auslösung der Studentenaktivitäten spielten. Der von den USA nicht offiziell erklärte Krieg in Vietnam mag für solche Gesetzlosigkeit emblematisch sein, wie es auch Vorgänge während der chinesischen Kulturrevolution gewesen sein mögen. In den hier diskutierten Fällen spielte die Gesetzlosigkeit der Regierung in praktisch jedem Fall studentischer Mobilisierung und Konflikts eine Rolle, wobei die türkische Regierung mit der aktiven Anfeuerung rechter Attacken auf alle diejenigen, die als links erachtet wurden, wohl den ungeheuerlichsten Fall darstellt. Die Korruption, insbesondere unter Bedingungen allgemeinen sozialen Elends, sollte ebenfalls zu einem zentralen Anliegen der Studenten werden, wodurch das bereits gestiegene Bewusstsein über gesellschaftliche Probleme noch verschärft und zunehmend politisiert wurde.

Diese gemeinsamen Anliegen nahmen an unterschiedlichen Orten verschiedene Formen an, sie waren abhängig von nationalen oder gesellschaftlichen Zusammenhängen und den bestehenden Traditionen des Radikalismus. Spezifische politische Vorkommnisse waren für die Auslösung radikaler Bewegungen verantwortlich, und sobald sie einmal in Gang gekommen waren, griffen diese Bewegungen auf frühere Vorläufer bei den Organisationsmethoden wie auch bei den Formen und Inhalten der Forderungen zurück, die sie an das politische System stellten. In bestimmten Fällen gab es direkte Verbindungen zwischen den Bewegungen von „1968“ und ihren „Vorgeschichten“. In anderen Fällen mögen diese Verbindungen im Laufe der radikalen Aktivitäten konstruiert worden sein, dabei Traditionen des Radikalismus „erfindend“[33]. In Gesellschaften der Dritten Welt entstanden in unterschiedlichen Kontexten unterschiedliche Sprachen des Radikalismus, die ein gemeinsames Vokabular teilten, aber ihre Grammatik aus ihrer konkreten Geschichtlichkeit bezogen.

Ob 1968 als Meilenstein in unterschiedlichen Kontexten der Dritten Welt diente oder auch nicht, so ist dieses Jahr zumindest als metaphorische Markierung von Bedeutung, als die Umstände und Anliegen, die zur Entstehung der Bewegungen der 1960er führten, durch andere Umstände und Anliegen ersetzt wurden, die im Rückblick eine Rekonfiguration der internationalen Verhältnisse[34] zum Ausdruck brachten. In gewisser Weise wurden die Bewegungen durch ihre eigene historische Entfaltung diskreditiert. Die Repression der Regierungen, wie sie in den USA, Deutschland und Italien herrschte, und interne Zerwürfnisse in Ländern der Dritten Welt, wie in der Türkei und Indien, sollten nach 1968 zur Entstehung von Guerillabewegungen führen, die sehr schnell zum Terrorismus degenerierten. Die Weigerung Fidel Castros, den sowjetischen Einmarsch in die Tschechoslowakei in ebenjenem „Jahr der Heroischen Guerilla“ zu verurteilen, nährte Zweifel an Kuba. Die zunehmend explizite Ablehnung der Kulturrevolution in den 1970ern durch die chinesische Führung und ihre teilweise Versöhnung mit den USA löschte nach und nach die Attraktivität des chinesischen Paradigmas aus. Der Kolonialismus selbst löste sich als Problem nach und nach auf, da amerikanische und europäische Unternehmen zur Anwendung „multikultureller“ Beschäftigungspolitiken übergingen, die Eliten und Studenten der Dritten Welt ihren Platz zukommen ließen. „Wirtschaftswunder“, die von exportorientierten Entwicklungspolitiken befeuert wurden, deren Ursprünge vor 1968 lagen, ersetzten nach und nach die Bestrebungen nach autonomer nationaler Entwicklung. Die Idee der nationalen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Befreiung, die viele der radikalen Bewegungen von 1968 inspiriert hatte, wurde in den Nachwehen von 1968 zu einem Opfer.

Nationale Grenzen und die der Drei Welten, die von den globalisierenden ideologischen Kräften von 1968 infrage gestellt wurden, sollten in den folgenden Jahren durch die materielle Entwicklung innerhalb des Kapitalismus und den neuen Kommunikationstechnologien, die diese Entwicklungen möglich gemacht hatten, noch durchlässiger gemacht werden, wodurch die radikalen Bewegungen von 1968 zu einer entfernten Erinnerung wurden. Viele StudienabgängerInnen von 1968 hatten kaum Schwierigkeiten, sich in diese neue Form des Globalismus einzufinden. Aber der Niedergang der Idee der nationalen Befreiung und der Status des Nationalstaates haben den Vorstellungen einer Bewegung, die sich an lokalen Gegebenheiten orientiert, Auftrieb gegeben. Sie standen ebenfalls im Zentrum der radikalen Bewegungen, obgleich diese Vorstellungen von der Ideologie der nationalen Befreiung verdeckt wurde.

Manche Abgänger von 1968, von China über Indien nach Mexiko, arbeiten an vielen Orten daran, die Möglichkeit von Alternativen zu einem scheinbar siegreichen Kapitalismus am Leben zu halten. „El Sub“[35] mag nur der derjenige unter ihnen sein, der am deutlichsten zu hören ist.

 

Arik Dirlik ist linker Historiker und lebt in Eugene (USA). Er wurde 1940 in der Türkei geboren und lehrte nach seiner Einbürgerung in den USA jahrzehntelang an verschiedenen US-amerikanischen Universitäten. In seiner Forschung befasste er sich vor allem mit den politischen Ideologien im modernen China sowie mit Globalisierung und Postkolonialismus. Eine seine wichtigsten Veröffentlichungen ist „Anarchism in the Chinese Revolution“ (Berkeley 1991).

 

Übersetzung aus dem amerikanischen Englisch: Lars Stubbe



[1]Y. G.-M. Lulat: Determinants of Third World Student Political Activism in the Seventies. The Case of Zambia, in Philip G. Altbach (Ed.): Student Politics. Perspectives of the Eighties (Metuchen, N.J. 1981),  S.234.

[2]Suleyman Genc: Oniki Mart‘ a Nasil Gelindi. Bir Devrin Perde Arkisi, 1960-1971 [The Road March 12. Backstage to a Period, 1960-71] (Ankara 1971), S. 109f.

[3]William Hinton: Hundred Day War. The Cultural Revolution at Tsinghua University (New York 1972)

[4] Zum Maoismus in Asien und Lateinamerika siehe die Essays in Arif Dirlik, Paul Healy, Nick Knight (Eds.): Critical Perspectives on Mao Zedong Thought (Atlantic Heights, N.J. 1997).  Zu Frankreich und den USA stammt die gründlichste Analyse von Belden Fields: Trotskyism and Maoism. Theory and Practice in France and United States (New York 1988)

[5]Ronald Fraser (Ed.): 1968: A Student Generation in Revolt (New York 1988), S. 322f.

[6]Der Begriff des Selbstvertrauens steht in der maoistischen Politik für Eigenständigkeit und Autarkie, jedoch nicht für Isolationismus, und dient zur Abgrenzung von den Gesellschaftsformen des Westens, aber auch vom „realen Sozialismus“; Anm.d.Ü.

[7] Zur Rezeption von Mao aus afrikanischer Sicht siehe Albert Tevoedjre: Poverty. Wealth of Mankind (Oxford 1979)

[8]Che Guevara: Socialism and Man (New York 1978)

[9]N. Jayaram: „India“, in Philip G. Altbach (Ed.): Student Political Activism: An International Reference Handbook (Westport, Conn. 1989), S. 96.

[10]Sumanta Banerjee: India’s Simmering Revolution. The Naxalite Uprising (London 1984), S. 178. Zu den Studierendenbewegungen vor 1968 siehe Lloyd I. Rudolph, Susanne H. Rudolph, Karuna Ahmed: Student Politics and National Politics in India, in Economic and Political Weekly (July 1971), S. 1655-68.

[11]Heute: Kolkata; Anm. d. Ü.

[12]Siehe Banerjee, a.a.O.

[13]Siehe Banerjee, a.a.O. Siehe außerdem Sanjay Set: Indian Maoism. The Significance of Naxalbari, in Dirlik, Healy, Knight: Critical Perspectives on Mao, a.a.O.

[14] Mehr Infos zu den studentischen Aktivitäten bei Vishwa Yuvak Kendra: The Dynamic of Student Agitations (Bombay 1973)

[15]Dirlik benutzt den Begriff „tribal Girijans“, der auch für die Adivasi steht. Der Begriff bezeichnet allgemein indigene oder autochthone Gruppen, die häufig in Armut leben und für die es manche Schutzgesetze gibt. Ihr Anteil an der indischen Bevölkerung beträgt ca. sieben Prozent; Anm. d. Ü.

[16]Banerjee: India’s Simmering Revolution, a.a.O, S. iii. Zu den chinesischen Antworten auf die Naxaliten siehe ebd. S., 201-4.

[17]Sengupta: Naxalbari and Indian Revolution, a.a.O. S. 112

[18] Die folgende Aufzählung der Ereignisse basiert auf Suleyman Genc: Oniki, Mart’a Nasil Gelindi, a.a.O., S. 102-86.

[19] Zu einer vergleichenden Diskussion der politischen Konsequenzen der Verfassung von 1961 siehe Yildiz Sertel: Turkiye’de Ilerici Akimlar [Progressive Movements in Turkey] (Istanbul 1967)

[20]Siehe Arif Dirlik: Preface, in Nusret Kurosman (Ed.), Cesitli Cepheleriyle Ataturk [Ataturk in His Various Aspects] (Istanbul 1963)

[21]Adelet Partisi, 1961 gegründete nationalkonservative Partei, seit dem Militärputsch von 1980 verboten. Die 1980 erfolgte Neugründung spielt heute keine politisch tragende Rolle mehr; Anm. d. Ü.

[22]Genc, a.a.o., S. 113

[23] Siehe auch William J. Hanna (Ed.): University Students and African Politics (New York 1975)

[24]Ahmed Abdalla: The Student Movement and National Politics in Egypt (London 1985), S. 149. Der 21. Februar war der sog. Studententag, der jedes Jahr in Gedenken an den Blutigen Sonntag 1946 begangen wurde. An diesem Tag wurden 1946 von britischen Truppen in Kairo 23 antibritische Demonstranten getötet und über hundert verletzt.

[25]Ebd., S. 159-65.

[26]Zitiert in Randi R. Balsvik: Haile Sellasie’s Students. The Intellectual and Social Background to Revolution, 1952-1977 (East Lansing, Mich. 1985), S. 218. Die Nutzung der Ras-Makonnen-Halle war ein weiterer Grund für die Aversionen, da sie der Bewahrung und Entwicklung der nationalen Kultur dienen sollte.

[27]Ebd. S. 215

[28]Ebd., S. 214

[29]Fentahun Tiruneh: The Ethopian Students. Their Struggle to Articulate the Ethiopian Revolution (Chicago 1990), S. 65

[30]marxistische Gruppierung, die Anfang der 1960 in Äthiopien gegründet wurde; Anm.d.Ü.

[31]Balsvik: Haile Sellasie’s Students, a.a.O., S. 176f.

[32] Siehe u.a. Seymour M. Lipset/ Philip G. Altbach (Eds.), Students in Revolt (Boston 1969). Der einführende theoretische Beitrag stammt von Shils.

[33]Dirlik bezieht sich hier vermutlich auf Hobsbawns Konzept der „Erfundenen Tradition“; Anm.d.Ü.

[34]Dirlik spricht von „global relations“, womit nicht die klassischen „Internationalen Beziehungen“ aus der Politikwissenschaft, sondern die Rekonfiguration kapitalistischer Mehrwertextraktion gemeint sein dürfte; Anm.d.Ü.

[35]Gemeint Subcomandante Marcos von der zapatistischen EZLN in Chiapas/ Mexiko]

 

 

 

Arif Dirlik wurde 1940 in der Türkei geboren und lehrte nach seiner Einbürgerung in die USA jahrzehntelang an verschiedenen US-amerikanischen Universitäten. In seiner Forschung befasste er sich vor allem mit politischen Ideologien im modernen China sowie mit Globalisierung und Postkolonialismus. Eine seiner wichtigsten Veröffentlichungen ist »Anarchism in the Chinese Revolution« (Berkeley 1991). Übersetzung aus dem Englischen: Lars Stubbe

364 | 1968 international
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