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Stimme Magazin

E-Mail: stimmemagazine@gmail.com Facebook: www.facebook.com/stimmeMagazin/

PDF Ausgabe: http://bit.ly/2AnukP4

Im Frühjahr 2017 formierte sich um die aus Kamerun geflüchtete Redaktionsleiterin Dora Sandrine Koungoyo Ndedi ein Kollektiv aus Amateur-Journalistinnen. Ihr Ziel ist, auf die Lebensumstände geflüchteter Frauen und Migrantinnen in Deutschland aufmerksam zu machen. Seit Herbst liegt das Produkt ihrer Bemühungen vor: Die erste PDF-Ausgabe des Stimme Magazine. Dieses »magazine by and for refugee and migrant women« erscheint in den drei Sprachen Englisch, Deutsch und Französisch. Es informiert die LeserInnen über die politische und alltägliche Situation geflüchteter und migrantischer Frauen – und zwar aus deren Perspektive.

Zugleich soll das Magazin Geflüchteten Hilfestellung geben. So berichtet die erste Ausgabe über Möglichkeiten zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland und erteilt praktische Ratschläge für eine erfolgreiche Asylantragsstellung. Auf lange Sicht sollen durch derartige Aufklärung über Rechte und Pflichten betroffener Personen Selbstermächtigungsprozesse gestärkt und Handlungsspielräume vergrößert werden. Ein schwieriges Unterfangen, denn geflüchtete Frauen und Migrantinnen sind in Deutschland oftmals von Formen vielfacher Diskriminierung betroffen, welche Rassismus, Sexismus oder Homophobie vereinen können.

Wie sich diese Diskriminierung in der konkreten Lebenssituation der betroffenen Frauen abspielt, wird in der Rubrik »Women on Stage« deutlich. Hier berichten Frauen von ihren Alltagserfahrungen im »Gastland« Deutschland. Dabei ist unter anderem die Rede von »psychologischem Desaster«, »ständiger Angst vor Abschiebung«, »Trauma« und »unerträglichen Lebensbedingungen im Heim«. Einige berichten von den Schwierigkeiten im Flüchtlingsheim, die mit den oftmals Frauen zugeteilten Arbeiten wie Essenszubereitung einhergehen. Beispielsweise seien oft »(drogen-)rauchende Männer« in der Küche anwesend, welche den Bitten der Frauen, dies außerhalb der Küche zu tun, bestenfalls mit »bösen Blicken« und schlimmstenfalls mit (Androhungen von) sexualisierter Gewalt begegneten.

Hier wird klar: Auf die spezifischen Diskriminierungen von
Frauen im Geflüchtetenkontext gilt es einen differenzierten Blick zu werfen. Das Stimme Magazine leistet dies und noch mehr: Es bekräftigt die Selbstermächtigung von Betroffenen, die unter rassistischen und sexistischen Systemen leiden, unabhängig davon, ob diese sich im gesamtgesellschaftlichen Kontext oder in der Küche eines Flüchtlingsheims manifestieren. Dabei steht das migrantisch organisierte Projekt selbst für diese Förderung von politischer Selbstbestimmung.

Oliver Estay Arndt

364 | 1968 international
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