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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 365 | Pressefreiheit Paul Garson: African Colonial Prisoners of the Germans

Paul Garson: African Colonial Prisoners of the Germans

A Pictorial History of Captive Soldiers in the World Wars. McFarland & Company Publishers, Jefferson/orth Carolina 2017. 209 Seiten, 47,99 Euro

Afrikaner in den Weltkriegen

Zur Einbeziehung von AfrikanerInnen (und anderen Nicht-EuropäerInnen) in die Kampfhandlungen der beiden Weltkriege ist in den vergangenen Jahren schon einiges publiziert worden. Im Mittelpunkt standen dabei weniger die passiven Auswirkungen des Ersten und Zweiten Weltkrieges auf die indigenen Bevölkerungen – wie Hunger, persönliche Einschränkungen, Dienste in der Heimat, Preiserhöhungen und Ähnliches – als vielmehr der Einsatz von Männern in die direkten Kampfgeschehen. Denn mittlerweile ist bekannt, dass Zehntausende Afrikaner auf den Schlachtfeldern in Europa, Nordafrika und in Asien fochten. In der Regel wurden sie von ihren europäischen Kolonialherren rekrutiert. Allein in der Schlacht an der Marne im Ersten Weltkrieg kämpften 150.000 Algerier, 140.000 Westafrikaner, 40.000 Tunesier, 35.000 Madagassen und 15.000 Marokkaner. Insgesamt kamen während dieses Krieges etwa eine Million Soldaten allein aus Afrika zum Einsatz.

Illustrationen davon sind allerdings rar. Kaum jemand konnte sich bisher ein visuell unterstütztes Bild von Afrikanern in europäischen Uniformen machen. Weithin wurde angenommen, dass solche nicht existierten. Nun hat der US-amerikanische Fotograf und Journalist Paul Garson eine beeindruckende Anzahl von einschlägigen Illustrationen gesammelt und in einem Buch präsentiert. Die verwendeten historischen Fotos, Zeichnungen, Titelbilder von Zeitschriften, Postkarten etc. werden von ihm kommentiert. Die meisten Motive stellen Personen und Szenen dar, nachdem die auf Seiten der Alliierten kämpfenden Afrikaner in deutsche Kriegsgefangenschaft geraten waren.

Da Garson auf eine Übersicht über die Fundorte der zumeist erstmals veröffentlichten Abbildungen verzichtet, lassen sich wenig weiterführende Informationen ausmachen. Allerdings kann man erkennen, dass die deutschen Soldaten ihre Gefangenen einerseits als kurios, anderseits als furchterregend und böswillig betrachteten und fotografierten. Dies geschah zum Teil schon auf den Schlachtfeldern gleich nach der Gefangennahme oder in Kriegsgefangenenlagern. Zuweilen erkennt man unschwer die Inszenierung der Abgebildeten.

Die kurze, jedoch anschauliche Einleitung skizziert den Einsatz von afrikanischen Soldaten auf alliierter Seite in den Weltkriegen. Auf eine wissenschaftliche Betrachtung der Thematik verzichtet Garson, der Verweis auf Fachliteratur bezieht sich lediglich auf wenige englischsprachige Publikationen. Doch wird das Buch mit Sicherheit weitergehende wissenschaftliche Forschungen befruchten.

 

Ulrich van der Heyden

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