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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 369 | Friedensprozesse Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess

Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess

Die erste eigehende Untersuchung über die bis dahin größte Konferenz im Prozess des friedlichen Dialogs gegen das Apartheidsregime in Südafrika 1987.

Sommer 1987 in Senegals Hauptstadt Dakar: VertreterInnen der Befreiungsorganisation ANC im Exil kommen mit weißen Oppositionellen aus Südafrika zusammen. Unter den über 80 TeilnehmerInnen der Konferenz sind so bekannte Namen wie die Schriftsteller Breyten Breytenbach und André Brink, der Theologe Beyers Naudé oder der spätere südafrikanische Präsident Thabo Mbeki.

Die Abordnung der weißen Afrikaaner-Intelligentsia, die Slabbert-Delegation, ist mit 60 Mitgliedern angereist. Benannt ist sie nach Frederik Van Zyl Slabbert, einem der Hauptinitiatoren der Konferenz und ehemaligen Parlamentsmitglied für die Progressive Federal Party und Exekutivdirektor des Institute for Democratic Alternatives in South Africa (IDASA). Vermutet wird, dass sich in die Slabbert-Delegation auch zwei Informanten des südafrikanischen Geheimdienstes eingeschlichen hatten. Die Delegation des ANC umfasst 17 TeilnehmerInnen. Hinzu kommen einige AusländerInnen mit Beobachterstatus, aber mit Rederecht, darunter der Schriftsteller Hans Christoph Buch.

Die Zusammenkunft soll die Möglichkeiten einer friedlichen Überwindung der Rassentrennung ausloten. Die Diskussionen im Plenum sind bestimmt davon, politische Strategien für ein künftiges Post-Apartheid-Südafrika zu entwickeln.

Die Dakar-Konferenz ist zwar nicht das erste, wohl aber das bis dahin größte Zusammentreffen dieser Art in den Jahren zwischen 1984 und 1990. Wie zu erwarten, werden die Teilnehmer der Slabbert-Delegation nach ihrer Rückkehr nach Südafrika zum Teil massiv angegriffen, vor allem in der afrikaanssprachigen Presse und besonders heftig von Seiten der rechtsextremen Burengruppierung Afrikaner Weerstandsbeweging um den berüchtigten Eugène Terre’Blanche. Dieser hetzt: »Man spricht nicht mit Kommunisten! Man erschießt sie!«

Der Historiker und Politikwissenschaftler Ulrich van der Heyden legt mit seinem Buch Der Dakar-Prozess die erste eingehende Untersuchung der weitgehend in Vergessenheit geratenen Konferenz vor. Das Werk erzählt von der Vorgeschichte, vom Verlauf des Treffens und seiner Gesprächsergebnisse sowie von den teils geheimen Folgekonferenzen. Im Anhang sind zum Teil bislang unpublizierte Dokumente und Augenzeugenberichte abgedruckt.

Sicherlich trug die Dakar-Konferenz dazu bei, den Prozess des friedlichen Dialogs weiter voranzubringen. Ob sie aber den Anfang vom Ende des südafrikanischen Apartheidregimes markiert, wie im Untertitel des Buches behauptet, darf bezweifelt werden. Man vermisst eine analytisch fundierte Einordnung der Konferenz in den historischen Gesamtzusammenhang. Stichwörter hierfür wären gewesen: Die Widerstands- und Protestbewegung im Lande selbst, die Entwicklungen in Rhodesien/Zimbabwe sowie in Namibia und Angola, die internationalen Wirtschaftssanktionen gegen Südafrika oder das Ende des Kalten Krieges. Die Dakar-Konferenz war nur ein Schritt unter vielen auf dem Weg zur Überwindung der Apartheidpolitik, dieser »Sonderform des Kolonialismus«.

 

Joachim Zeller

 

Ulrich van der Heyden: Der Dakar-Prozess. Der Anfang vom Ende der Apartheid in Südafrika. Solivagus, Kiel 2018. 176 Seiten, 19,50 Euro.

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