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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 374 | Sozialstaaten Für soziale und ökologische Lösungen der Klimakrise!

Für soziale und ökologische Lösungen der Klimakrise!

Das iz3w beteiligt sich am Klimastreik von "Fridays for Future". Lasst uns wachsam und kritisch bleiben. Wir wollen ein radikales Umsteuern in der Klimapolitik und nicht bloß schöne Worte hören!

Die globale Klimakrise wird verursacht vom reicheren Teil der Menschheit – der nicht nur, aber vor allem in den Industrieländern des Globalen Nordens lebt. Den verheerenden Folgen des Klimawandels sind hingegen arme und ausgegrenzte Menschen besonders stark ausgesetzt - nicht nur, aber vor allem in Ländern des Globalen Südens. Sie verfügen nicht über die finanziellen Mittel, um sich gegen Dürren, Extremwetterereignisse oder steigende Meeresspiegel wappnen zu können. Die globale soziale Frage lässt sich daher nicht von der Klimapolitik trennen.

Diese sozialökologische Perspektive möchte das iz3w – informationszentrum 3. welt beim Klimastreik am 20. September 2019 stark machen.

Wir beteiligen uns am Klimastreik, um

  • Kritik an der ressourcenverschwenderischen kapitalistischen Produktionsweise sichtbar zu machen. Solange der Zwang zu Wachstum und Rendite alles Wirtschaften bestimmt und das globalisierte Konkurrenzprinzip alle ökologische Vernunft erschlägt, solange wird es keine echten Lösungen der Klimakrise geben können.
  • verkürzte, rein technologische Lösungsansätze im Rahmen eines „Grünen Kapitalismus“ zu hinterfragen. Beispiel Elektroautos: Wenn die Autokonzerne statt eines Dieselmotors künftig einen Elektromotor und einen Akku in ihre tonnenschweren SUVs einbauen, ist nichts gewonnen – außer Rendite für die Konzerne. Allein die Herstellung von Akkus zieht zahlreiche ungelöste Umweltprobleme mit sich. Wir plädieren stattdessen für kleine, smarte und kollektive Lösungen, wie Sammeltaxis, Car Sharing, bessere Infrastruktur für Fahrräder und vieles mehr.
  • Klimawandel als ein gesamtgesellschaftliches Problem zu sehen, das durch solidarische Klimapolitik gelöst werden muss und nicht allein durch individuellen Konsumverzicht oder Konsum umweltfreundlicher Produkte. Sicherlich sollen sich alle Einzelnen fragen, was sie selbst beitragen können zur Ressourcenschonung. Aber die moralinsauren Appelle an das schlechte Gewissen, mit denen das Versagen der bisherigen Klimapolitik kaschiert werden soll, helfen nur sehr bedingt weiter.
  • ein Verständnis von Umweltpolitik zu kritisieren, das auf vor allem auf Kosten von finanziell Schwächeren geht, beispielsweise über erhöhte Mehrwertsteuern auf klimaschädliche Produkte. Es kann nicht angehen, dass nur Besserverdienende sich den Konsum teurer klimafreundlicher Produkte leisten können. Stattdessen fordern wir zum Beispiel kostenlosen Nahverkehr.
  • Politik, Gewerkschaften und Verbände aufzufordern, nicht länger vor den Industrielobbys zu kuschen. Mit Pseudoargumenten wie „es gehen sonst Arbeitsplätze verloren“ schafft es die Industrie, ökologische Veränderungen von sich fern zu halten. Eine wachsame demokratische Kontrolle der Wirtschaft ist dringend nötig, ansonsten wird außer kosmetischen Maßnahmen nichts geschehen.
  • und um den menschheitsfeindlichen Leugner*innen des Klimawandels die Rote Karte zu zeigen. Gleich ob sie aus bloßer Dummheit, notorischem Willen zur Provokation, politischer Perfidie oder aus wirtschaftlichen Interessen gegen aktive Klimapolitik hetzen – wir lassen uns von diesen Leuten nicht auseinander dividieren.


Die jungen Aktivist*innen der Fridays for Future haben es geschafft, das Versagen der Klimapolitik offenzulegen. Sie haben den verheerenden Folgen des Klimawandels große Aufmerksamkeit in der Weltöffentlichkeit verschafft. Dank ihnen ist die Gunst der Stunde so groß wie noch nie, endlich das längst überfällige, grundlegende Umsteuern in der Klimapolitik zu erreichen. Doch ihr und unser Engagement droht derzeit vereinnahmt zu werden, etwa von einer jovialen Politik, die am Sonntag den „tollen Einsatz für die Umwelt“ lobt und am Montag den Braunkohleabbau weiter betreibt.

Lasst uns wachsam und kritisch bleiben. Wir wollen ein radikales Umsteuern in der Klimapolitik und nicht bloß schöne Worte hören!

374 | Sozialstaaten
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