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Kollektive in Aktion (Hg.): Die Welt sind wir

Eine Mischung aus Bericht, Gästebuch und Ratgeber - entstanden aus einer Reise in 17 Gemeinden in Mittelamerika, die sich im Widerstand gegen große Infrastrukturprojekte befinden.

Diesseits von gut und böse

14 Monate lang reist eine bunte Gruppe durch Mittelamerika. Station macht sie in 17 Gemeinden, die Widerstand gegen große Infrastrukturprojekte leisten. Was sie auf dieser Reise vor zwei Jahren erlebten, haben die Kollektive in Aktion ihrem Buch Die Welt sind wir dokumentiert.

Im Mittelpunkt der Reise steht der Austausch mit den Gemeinden. Die Reisenden wollen deren Erfahrungen im Konflikt mit Konzernen und staatlichen Akteuren kennen lernen. Zum Austausch bieten sie Workshops über organische Düngemittel oder per Fahrrad angetriebene Maismühlen an, die in ihrer Vorstellung die Autonomie der Dörfer fördern. Die besuchten Gemeinden organisieren sich unter anderem gegen Bergbauprojekte und Staudämme oder treten für ihre Landrechte ein. Den jeweiligen Konflikt schildern die AutorInnen auf wenigen Seiten. Dazwischen gibt es Bauanleitungen aus den Workshops, Grußworte und Reflexionen. Entstanden ist so eine Mischung aus Bericht, Gästebuch und Ratgeber.

Mit welcher Hartnäckigkeit und welchem Mut lokale Bevölkerungen gegen Projekte von Konzernen und Regierungen protestieren, ist beeindruckend. Da ist zum Beispiel das Dorf La Nueva Esperanza in Honduras: Die BewohnerInnen lenkten so viel Aufmerksamkeit auf die Rechtsbrüche der Firma Minerales Victoria, dass sie ihr Bergbauprojekt wieder aufgab. Oder der Konflikt in Intibuca, ebenfalls Honduras, wo ein Wasserkraftprojekt gestoppt wurde. Hier wird der Widerstand unter Lebensgefahr geleistet: Vier AktivistInnen wurden in den vergangenen sechs Jahren ermordet.

Die Sprache und die Perspektive der Kollektive in Aktion werden der Vielfalt der Umweltkonflikte hingegen nicht gerecht. Sie überhäufen ihre Sätze mit Details, bleiben aber trotzdem ungenau bei der Schilderung der Ereignisse. Sie werfen Empfindungen und objektive Zusammenhänge durcheinander.

Störend sind zudem die Kriegsmetaphorik und die schablonenartige Betrachtung der Konfliktparteien. Auf der einen Seite steht die lokale Bevölkerung, die durch ihre traditionelle Lebensweise die Natur schützt, sich vorbildlich selbst organisiert und das Leben ohne materiellen Wohlstand schätzt. Ihre Feinde sind Konzerne und Regierungen, die als homogene Akteure handeln und dabei lügen, morden, kriminalisieren und die Natur zerstören. Gut und Böse kommen in dieser dichotomen Welt deutlich zum Ausdruck, die Vielschichtigkeit eines Konfliktes hingegen nicht.

Wer sich für antikapitalistische Projekte und selbstorganisierte Initiativen interessiert, findet in diesem liebevoll gestalteten Buch Anregungen. Wer jedoch Interesse an einer sachlichen Analyse der Umweltkonflikte in Mittelamerika hat, lässt es lieber im Regal stehen.

Isabel Röder

 

Kollektive in Aktion (Hg.): Die Welt sind wir. Buen Vivir und die Verteidigung von Lebensräumen in Mesoamerika. Unrast-Verlag, Münster 2019. 278 Seiten, 16 Euro.

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