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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 387 | Männlichkeit Gerd und Katharina Nickoleit: Fair for Future. Ein gerechter Handel ist möglich

Gerd und Katharina Nickoleit: Fair for Future. Ein gerechter Handel ist möglich

Fairer Handel als Prozess

»Kein Verkauf ohne Information«, so lautete das Motto der Weltläden in den 1970er-Jahren, wo der Faire Handel seinen Anfang nahm. Gerd und Katharina Nickoleit bemühen sich seit langem, die Regeln für den internationalen Handel gerechter zu gestalten. Ihr Buch Fair For Future. Ein gerechter Handel ist möglich enthält eine scharfe Analyse der gegenwärtigen Lage des Fairen Handels und zeigt dessen Entwicklung auf, geschmückt mit persönlichen Erfahrungen.

Ziel des Fairen Handels ist es, gerechte Arbeits- und Produktionsverhältnisse zu schaffen, die Menschen im Globalen Süden zu Gute kommen. Um dies nachhaltig zu erreichen, ist es wichtig, den Globalen Norden aufzuklären und »Verknüpfungen zwischen der Ersten und Dritten Welt zu schaffen.«

Ein »Grabenkampf«, der sich im Fairen Handel bis heute hält, ist der zwischen Bewusstseinsbildung und Verkaufszahlen. Der Balanceakt scheint schwierig. Im Buch wird dies am Beispiel der GEPA aufgezeigt: Deren Gesellschafter*innen fordern nicht nur, rentabel zu wirtschaften, sondern auch Rücklagen für neue Projekte zu bilden. Der Druck, Gewinn zu generieren, steigt auch durch den Wettbewerb mit konventionellem Handel.

Der Faire Handel ist neben ökonomischen Dilemmata auch mit ökologischen konfrontiert, zum Beispiel in der Transportfrage. Da viele Waren lange Strecken über Luft und Wasser zurücklegen, stellt sich die Frage nach der Verhältnismäßigkeit der Umweltkosten. Die Autor*innen diskutieren des Weiteren das Lieferkettenproblem bei Artikeln, die aus verschiedenen Ressourcen bestehen. Bei diesen ist es schwierig, den fairen Ursprung des Gesamtprodukts zu gewährleisten.

Unzählige Siegel für faire Herstellungsbedingungen zeigen, dass der Faire Handel keine Nische mehr, sondern im Mainstream angekommen ist. Viele Konzerne benutzen sie jedoch, um das eigene Image zu polieren. Für Kritik sorgen bürokratische Hürden und Umweltkriterien, die für kleine Kooperativen schwer zu stemmen sind. All diese Herausforderungen zeigen eines: »Fairer Handel ist kein Zustand, sondern ein Prozess.« Das Buch schafft es, diesen nachvollziehbar darzustellen und bietet Ideen, wie die vielen Spannungsfelder aufgelöst werden könnten.

Alexander Schmidt


Gerd und Katharina Nickoleit: Fair for Future. Ein gerechter Handel ist möglich, Ch. Links Verlag, Berlin 2021. 224 Seiten, 18 Euro.

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