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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 387 | Männlichkeit Lea Susemichel und Jens Kastner (Hg.): Unbedingte Solidarität

Lea Susemichel und Jens Kastner (Hg.): Unbedingte Solidarität

Für eine inklusive Solidarität

Müssen wir radikal solidarisch sein? Mit dieser Frage befasst sich der Sammelband Unbedingte Solidarität von Lea Susemichel und Jens Kastner. Sie sehen Solidarität als für die Gesellschaft unerlässlich und bündeln in ihrem Buch 15 Artikel sowie zwei Interviews, die sich mit theoretischen Konzepten und praktischen Beispielen von Solidarität auseinandersetzen. Die Autor*innen veranschaulichen ihre Argumente durch Bezüge zu historischen und aktuellen politischen Bewegungen und führen Perspektiven aus Politik, Ökonomie und Kunst an.

Die Beiträge sind ein Plädoyer für eine inklusive Solidarität – im Gegensatz zum exklusiven Solidaritätsbegriff, der in politischen Debatten um die Aufnahme von Geflüchteten oftmals genutzt wird. Sie beschäftigen sich mit Gruppen, die sich füreinander einsetzen, obwohl sie nicht primär die gleichen Ziele verfolgen. Etwa im britischen Bergarbeiterstreik Mitte der 1980er-Jahre, der von queeren Gruppen unterstützt wurde.

Das kritische Moment liegt in der Frage, wie Bündnisse sich über Differenzen hinweg solidarisieren können. Um politisch wirkmächtig zu sein, müssen Bewegungen viele Unterstützer*innen hinter sich versammeln. Dadurch laufen sie allerdings Gefahr, hierarchische Strukturen zu entwickeln und verschiedene Interessen innerhalb der Gruppe nicht mehr ausreichend zu berücksichtigen. Oft führt das zur Spaltung. Wenn Solidarität aber Konflikte und Dissonanzen aushalten kann, so Susemichel und Kastner, dann stärkt sie langfristig den Demokratisierungsprozess.

Die Autor*innen der einzelnen Beiträge sind sich nicht immer einig. So etwa, wenn es um symbolische Solidarität, wie beispielsweise Solidaritätsbekundungen auf Sozialen Medien, geht: Manche kritisieren, dass diese Form einer reinen Selbstinszenierung gleichkomme und folgenlos bliebe. Andere sind hingegen der Meinung, dass auch solche Solidarisierungen niedrigschwellig sind und den Weg für Veränderungen bereiten können.

Der Sammelband setzt einen Kontrapunkt zum weltweiten Prozess der Entsolidarisierung. Im Kontext von Abschottung und globalen Krisen lädt er ein, sich der wechselseitigen Abhängigkeiten (wieder) bewusst zu werden, in die wir als Teil der Gesellschaft verwoben sind.

Katharina Forster

 

Lea Susemichel und Jens Kastner (Hg.): Unbedingte Solidarität. Unrast-Verlag, Münster 2021. 312 Seiten, 19,80 Euro.

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