Frau mit rotem Kopftuch hält sich einen Spiegel vor das Gesicht - hier spiegelt sich ein Gesicht (ihres?)
Porträt einer Frau im Iran (2018) | Foto: Amir Geshani / Unsplash

Identitätspolitik

Liberté, Egalité, Identité?

Vieles, was in dieser Gesellschaft als normal gilt, engt ein, schließt aus und macht unsichtbar: Die heteronormative Identität, Nationalismus und Rassismus, Barrieren oder Grenzen. Davon sind am häufigsten jene betroffen, die nicht der dominierenden Identität entsprechen. Wer davon abweicht, gilt als ‚das Andere‘. Doch diese ‚Anderen‘ wehren sich gegen die Ausschlüsse, die ihnen aufgrund gesellschaftlicher Zuschreibungen widerfahren – und das oft gemeinsam. Hier beginnt die widerständige Identitätspolitik.


Weltweit führen Menschen Kämpfe, die sich als identitätspolitisch charakterisieren lassen, doch selten werden sie von den Handelnden selbst so betitelt. Wir liefern Beispiele von strategischer Identitätspolitik und fragen, an welchen Stellen diese ins Ideologische kippt. Dabei ist eines sicher: Richtig ernst mit der Identitätspolitik meinen es vor allem die Rechten. Das Dossier fragt: Was heißt Identitätspolitik überhaupt? Und geht Emanzipation besser mit ihr oder ohne sie?

 

Wer ist eigentlich ›wir‹?

Eine schwarze Frau verdeckt ihr Gesicht mit einem runden Spiegel

Kritik und Betroffenheit

Antirassistische Strömungen fordern seit den 1970er-Jahren, die eigenen Rassismuserfahrungen ins Zentrum der Politik zu stellen. Doch ein identitätspolitischer Antirassismus droht Zuschreibungen zu verfestigen, statt aufzuheben.

Demonstration für queere Rechte und auf einem Banner die Forderung nach "Gerechtigkeit ohne Ausnahmen"

Wir saufen alle gemeinsam ab

Trans­rechte und queere Rechte sind nicht nur in Deutsch­land zu­nehmend bedroht. Iden­titäts­poli­tische De­batten spielen hierbei aber vor allem den Rechten in die Karten.

Das Logo der Tbilisi Pride auf der Europride Deomonstration in Wien prangt auf einem Banner, das wie ein Superheld*innenumhang getragen wird

Unter Tage

Georgien hat eine aktive queere Szene. Gleich­zeitig ist sie wirt­schaftlicher und sozialer Margi­nalisierung ausgesetzt. Unter­stützung finden sie in Clubs und NGOs. Aller­dings geht auf diesen Terrains die Radi­kalität verloren.

Drei Personen mit Handys beim Jahrestreffen der Tuareg-Diaspora in Frankreich

Massaker und Migration

Die Tuareg in der Zentral­sahara nehmen seit den 1990er-Jahren eine füh­rende Rolle unter den afrika­nischen Dele­gationen bei Treffen Indi­gener Bevöl­kerungs­gruppen bei den UN ein.

Mehrere Tänzer*innen auf dem Trination Mega Festival von von Bangladesch, Indien und Pakistan.

Identität und Gewalt

Identitäts­politische Kämpfe beglei­teten die Geschichte Indiens dauerhaft. Die Abspal­tung Pakistans und die dortigen politischen Verhärt­ungen sind ein Beispiel. Die Akzeptanz der Vielfalt bietet einen Ausweg.

Person, die auf ein Graffit blickt: Eine Maske, die von einem Gesicht gezogen wird. Ist Identität gewählt oder aufgepresst?

Das hungrige Loch in der weißen Identität

Kritik an Cultural Appro­priation, also kultu­reller An­eignung, ist ein belieb­tes Argu­menta­tions­muster gegen linke Identitäts­politik. Aber die Sache ist kompli­ziert.

Die extrem rechten "die Identitären" bei einem Aufzug mit Flaggen und Logos

Es kann nur (m)eine geben

Kaum eine Äuße­rung aus rechten und extrem rechten Kreisen kommt ohne die Nennung des Identitäts­begriffs aus. Während die eigene ‚natio­nale Identität‘ als sinn­stiftend konstruiert wird, werden alter­native Selbst­verständ­nisse abgelehnt.

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