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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 332 | Wem gehört die Stadt? Wer gegen wen? - Die Frontstellungen in Syrien sind zunehmend ethnoreligiös geprägt

Wer gegen wen? - Die Frontstellungen in Syrien sind zunehmend ethnoreligiös geprägt

von Hannes Bode

Der Konflikt in Syrien ist weitaus vielschichtiger als die hiesige Medienberichterstattung vermuten lässt. Ein Blick in die jüngere Geschichte Syriens und des Libanon zeigt, dass die Rede von verfeindeten Alawiten und Sunniten, Baathisten und Islamisten nicht dazu beiträgt, die ethnoreligiösen und sozialen Bruchlinien in der Region zu verstehen.

Die Kämpfe in Syrien erhalten zwar eine große Medienöffentlichkeit, doch oft werden lediglich Opferzahlen vermeldet, wie sie eine Londoner NGO täglich verkündet. Hiesige Kontextualisierungs- und Erklärungsversuche beschränkten sich fast immer auf die Aussage, wonach in Syrien »die regimetreuen Alawiten gegen Sunniten kämpfen« (SZ) und »Alawiten gegen Sunniten, Sunniten gegen Schiiten, Christen in der Mitte« stehen würden (ZEIT). Zudem ist die Stellvertreter-Theorie beliebt, wonach die »Sunniten-Reiche Saudi-Arabien und Katar die syrischen Rebellen für die künftige Auseinandersetzungen mit dem schiitischen Iran« aufrüsten würden (SZ), während das Regime unter den Fittichen des Iran stehe.

Auch zeigen sich Unsicherheiten bei der Berichterstattung, etwa wenn mehrfach von »Shabiba« (»Jugend«) die Rede ist, obwohl die »Shabbiha« (»Phantom«-Milizen) gemeint waren (so in der jungle world). Und obwohl Kampfhandlungen oft auch in libanesischem Grenzgebiet stattfanden und sowohl pro-syrische als auch anti-syrische Parolen und Aktivitäten den politischen Alltag des Libanon bestimmen, wird die dortige Situation ignoriert.

 

Koloniale Weichenstellungen

Um die Kämpfe in Syrien einordnen und Vermutungen über die Zukunft der Region nach dem gewaltsamen Sturz des Assad-Regimes anstellen zu können, müssen die Auseinandersetzungen vor dem Hintergrund regionaler und internationaler Machtpolitik auf der einen Seite und diverser, keineswegs statischer ethnoreligiöser Bruch- und Konfliktlinien auf der anderen betrachtet werden. Dazu ist zunächst ein Blick in die wechselhafte Geschichte Syriens und Libanons unumgänglich.

Als der Begriff »Syrien« Ende des 19. Jahrhunderts aufkam, bezog er sich auf eine osmanische, in verschiedene Distrikte unterteilte Provinz. Sie umfasste Gebiete, die heute syrisch, libanesisch, südtürkisch, jordanisch, israelisch und palästinensisch sind. Vor allem unter den wohlhabenden und gebildeten Bevölkerungsteilen der Städte entwickelten sich republikanische, osmanistische, nationalistische und pan-islamische Diskurse. Noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts forderte der Intellektuelle Butrus al-Bustani in Flugschriften und Zeitungsartikeln seine »Mitbürger« auf, von ethnischen und religiösen Identitäten abzusehen und sich dem »Wohle des Vaterlandes« zu widmen. Wie viele andere Angehörige des jungen arabischen »Bürgertums« stand auch er in der Tradition der französischen Idee der politischen Staatsbürgernation. Doch die Realpolitik der Kolonialmächte Frankreich und Großbritannien war eine des »Teile und Herrsche« auf ethnischen und religiösen Grundlagen. Unter französischem Mandat wurde das Gebiet in Teilstaaten aufgeteilt, darunter ein drusischer, ein alawitischer und ein christlicher.

Die nationalistischen Bewegungen der Region forderten zunächst einen unabhängigen, alle nun geteilten Gebiete umfassenden Staat. Dabei zerstritten sie sich wegen verschiedener Fragen, etwa ob ein haschemitischer oder ein saudischer König das Land regieren solle. Maronitische Nationalisten waren die Einzigen, die von Anfang an auf einen unabhängigen Staat »Libanon« mit christlicher Mehrheit hinarbeiteten und sich zur Legitimation eine »phönizische Tradition« konstruierten. Nationalisten aus dem sunnitischen Bevölkerungsteil waren hauptsächlich in eine auf Kultur und Sprache fokussierte arabisch-nationalistische und eine auf den Islam fokussierte islamisch-nationalistische Strömung gespalten. In den 1930er und 40er Jahren optierten die Nationalisten schließlich überall pragmatisch für eine Durchsetzung nationaler Unabhängigkeit auf der Basis des Status quo.

Der Zweite Weltkrieg und der Zerfall der französischen Kolonialmacht in Vichy-treue und »Freie« Franzosen führten schließlich nach Protestaktionen und Streiks zur Gewährung der Unabhängigkeit für den christlich dominierten Staat »Libanon« und den sunnitisch dominierten Staat »Syrien«. Die Kolonialmacht hatte jedoch im Zusammenspiel mit regionalen nationalistischen Akteuren die ethnoreligiöse Identität zu einer bedeutenden Grundlage politischer Aktivität und Identifikation gemacht.

So ist im Libanon bis heute ein konfessionelles Wahlsystem in Kraft: Die Mitglieder des Parlaments müssen zu genau festgelegten Teilen Christen und Muslime sein, der Präsident ein maronitischer Christ, der Ministerpräsident ein sunnitischer Muslim, der Parlamentssprecher Schiit, ihre Stellvertreter griechisch-orthodoxe Christen. Während des libanesischen Bürgerkriegs (1975-90) nutzten die verschiedenen Akteure – Politiker, Milizen oder ausländische Mächte – diese Identitäten und Loyalitäten für politische und militärische Zwecke aus.

Das hinderte sie aber nicht daran, ihre Verbündeten ohne Rücksicht auf Ethnie, Religion oder politische Verortung immer wieder zu wechseln. Syrien, das Teile des Libanon jahrzehntelang militärisch besetzt hielt, unterstützte die palästinensischen Milizen Arafats oder seiner Konkurrenten, um zu einer anderen Zeit gegen sie vorzugehen, wie auch die schiitische Amal-Miliz, die hunderte ZivilistInnen in Flüchtlingslagern massakrierte. Zunächst kämpfte die Amal zudem, von Syrien unterstützt, gegen die vom Iran aufgebaute schiitische Hisbollah. Heute sind beide Koalitionspartner. Die christlichen Milizen wie die Kataeb und die libanesischen Kräfte kämpften die meiste Zeit gegeneinander. Die größtenteils aus Alawiten aus der libanesischen Großstadt Tripoli rekrutierte Miliz der Arabischen Demokratischen Partei (ADP) hatte mit Syrien, der semi-faschistischen »Syrischen Nationalen und Sozialen Partei« (SSNP) und der »Kommunistischen Partei« zusammengearbeitet. Die drusischen Milizen wechselten mehrmals die Seiten.

 

Syrien im Libanon

50.000 alawitische BewohnerInnen zählt der Bezirk Jabal Mohsen im libanesischen Tripoli. Umgeben sind sie von mehreren hunderttausend Sunniten. Tripoli ist seit langem ein Zentrum diverser sunnitisch-islamistischer und salafistischer Gruppen. Zwischen verfeindeten Milizen kam es in den vergangenen Monaten wiederholt zu Kämpfen, wie bereits zu Zeiten des libanesischen Bürgerkriegs. Damals hatte die ADP, unterstützt von syrischen Besatzungstruppen, gegen sunnitisch-islamistische Gruppen und palästinensische Milizen gekämpft. In den Jahren 2007 und 2008 wurde die zwischenzeitig aufgelöste Miliz vom alawitischen Politiker Rifaat Eid neu organisiert und bewaffnet und war wiederum in Auseinandersetzungen mit sunnitisch-salafistischen Gruppen verstrickt. Doch während Eid die Meinungsführerschaft unter den Alawiten für sich beansprucht und auch in der Sicht der meisten sunnitischen »Nachbarn« die Alawiten ein monolithischer pro-syrischer und anti-sunnitischer Block sind, sieht die Realität anders aus. So verlor Eid etwa bei Wahlen im Jahr 2009 den entscheidenden Teil der alawitischen Stimmen an einen – ebenfalls alawitischen – Kandidaten des syrienkritischen und ‚sunnitischen’ Bündnisses »14. März« unter Führung des als liberal geltenden Saad Hariri.

Zudem wächst im Libanon der Widerstand gegen die verschiedenen Milizen. Lokalpolitiker und zivilgesellschaftliche Netzwerke demonstrierten nach Ausbruch der Kämpfe in Tripoli für die Entwaffnung der Milizen und gegen sektiererische Gewalt. Wenn es stimmt, dass die mit Eids Miliz verbündete, ebenfalls pro-syrische Hisbollah bei den Kämpfen in Tripoli auf beiden Seiten mitmischt, ist dies eine weitere Facette dieser überaus komplexen Konflikte. Während einige BeobachterInnen vermuten, dass die Hisbollah im Sinne einer syrischen Eskalationsstrategie ethnische Konflikte forcieren soll, vermuten andere schlicht wirtschaftliche Interessen hinter dem Doppelspiel.

Die Brutalität der Kämpfe in Syrien und die vom Assad-Regime wie von Teilen der Aufständischen forcierte Aufladung des Konflikts entlang ethnoreligiöser Grenzen hat nun in Tripoli zu einer Situation geführt, in der alawitische SchülerInnen vom Militär zu Schulprüfungen eskortiert werden und die BewohnerInnen des alawitischen Stadtteils regelmäßig Deckung suchen müssen. Die Nachricht von der Tötung bedeutender, teilweise mit Assad verwandter Militärs und Geheimdienstler bei einem Attentat Ende Juli wurde in Tripoli nicht nur von Freudenschüssen, sondern auch von Schüssen auf alawitische Häuser begleitet.

 

Das »alawitische Regime«

Die heute von den meisten Medien übernommene Rede von Assads »alawitischem Regime« in Syrien wurde in den letzten Jahrzehnten von verschiedenen PublizistInnen, WissenschaftlerInnen sowie sunnitischen Islamisten verbreitet. Oft war von »alawitischen Herrschaftsplänen« und einem »alawitischen Putsch« die Rede. Die Konstruktion von homogenen Kollektiven erfreut sich insbesondere in der Geschichtsschreibung des Nahen Ostens großer Beliebtheit und verspricht einfache Antworten. Tatsächlich rekrutierte sich die Anhängerschaft der säkularen nationalistischen Baath-Partei in den 1940er Jahren schlicht zum größten Teil aus Mitgliedern ethnoreligiöser Minderheiten, die sich von deren säkularem Programm eine Verbesserung ihrer gesellschaftlichen Position versprachen. Ein großer Teil des Militärs und seines Offizierskorps waren zudem alawitische Bewohner ländlicher Gebiete, während die überwiegend sunnitische Stadtbevölkerung unterrepräsentiert war.

Nach Richtungskämpfen innerhalb der Partei und nach Putschen baathistischer Militärs gelangte schließlich ein Militärrat an die Macht, dessen Mitglieder aus alawitischen Familien stammten. Als nach Säuberungsaktionen innerhalb der Bewegung im Jahr 1970 Hafiz al-Assad und die militärische Baath-Fraktion an der Spitze des Landes standen, installierten sie enge Vertraute und Familienmitglieder in zentralen Positionen – die Geburt des »alawitischen Regimes«.

Doch paradoxerweise wurde die Ausübung alawitischer Rituale eingeschränkt und eine massive Missionierungskampagne gestartet. Auslöser war die Ablehnung, die Hafiz al-Assad von Seiten sunnitischer Autoritäten 1970 entgegenschlug. Um sich der sunnitischen Bevölkerungsmehrheit gegenüber zu legitimieren, begann Assad, regelmäßig die Moschee zu besuchen, ließ ein Familienmitglied eine islamische Stiftung gründen und unterstützte auch das Wirken schiitischer Geistlicher im Libanon. Nach der »Islamischen Revolution« in Iran schränkte er allerdings iranische Aktivitäten zur Missionierung in Syrien ein und bestärkte sunnitische Geistliche beim Aufbau eines Netzwerkes von Koranschulen in ganz Syrien.

Nach der Machtübernahme seines Sohnes Bashar al-Assad im Jahr 2000 verstärkte sich der iranische Einfluss wieder. Assad versprach sich durch eine »Schiitisierung« ein Abstreifen des alawitischen Stigmas. Der Fokus des syrischen Regimes lag nun fast ausschließlich auf der Unterstützung schiitischer Aktivitäten im ganzen Land. Zahlreiche Schreine wurden mit iranischem Kapital neu gebaut oder aufwendig renoviert, Pilgerzentren errichtet und schiitische, oft explizit anti-sunnitische Propagandasendungen im Staatsfernsehen ausgestrahlt. Vorsteher tribaler Gemeinschaften und andere Notabeln wurden zu Reisen in den Iran eingeladen und reich beschenkt. Viele ärmere Syrer, insbesondere Beduinen, sollen gegen Geldzahlungen konvertiert sein. Mancherorts sollen Konvertiten mit iranischen Bräuten verheiratet worden sein.

Zur gleichen Zeit sollen, so behaupten einige alawitische RegimekritikerInnen, Möglichkeiten und Räume der Ausübung traditionell alawitischer Rituale und Praktiken stark eingeschränkt worden sein. Zudem naturalisierte das syrische Regime tausende schiitische Flüchtlinge aus dem Irak, während es mehr als hunderttausend kurdischen SyrerInnen bis heute die Staatsbürgerschaft vorenthält – ein Grund, weshalb ein großer Teil dieser diskriminierten Gruppe nationalistischen Strömungen folgt.

Zu einer engen Beziehung zwischen dem syrischen und dem iranischen Regime auch auf militärischer Ebene führte vor allem die syrische Unterstützung des Iran gegen den baathistischen Irak in den 1980ern. Iranische Experten und Kämpfer unterstützen bis heute die 4. Division und die Präsidentengarde. Das sind Elitetruppen, die von Assads Bruder Maher geführt werden. Während das Assad-Regime das Bündnis mit dem iranischen Regime und verschiedenen Milizen im Libanon zur Sicherung seiner regionalen Position nutzte, setzten iranische Strategen stark auf den religiös-kulturellen Bereich.

Diese Entwicklungen trafen die sunnitische Bevölkerungsmehrheit auch auf anderen Gebieten als der Propaganda. Im Umfeld von dutzenden iranischen Großbauprojekten sorgten massive Veränderungen der Boden-, Immobilien- und Lebenshaltungskosten für soziale Verwerfungen in Syrien. Sunnitische Geistliche und Gruppierungen wie die Muslimbrüder reagierten ihrerseits propagandistisch auf die Offensive, zudem griffen die Golfstaaten und insbesondere Saudi-Arabien ein und beschworen die drohende »Gefahr für den sunnitischen Glauben«. Die zu einem großen Teil immer noch deklassierten Alawiten in den ländlichen nordwestlichen Gebieten Syriens waren und sind in diesen Auseinandersetzungen Zaungäste. Sie werden die kampflosen, traurigen Verlierer des Bürgerkriegs sein.

Die im Rahmen von Vetternwirtschaft forcierte Liberalisierungs- und Privatisierungspolitik und der Rückbau des Sozialstaats schufen ebenfalls sozialen Sprengstoff. Um Städte wie Damaskus hat sich ein Armutsgürtel von größtenteils sunnitischen Landflüchtlingen gelegt. In der sozialen Misere kommen die Gewinner – ob Alawiten, Sunniten oder Christen – aus den Städten, die Verlierer größtenteils aus ruralen, traditionell sunnitisch geprägten Landstrichen, die stark verelendeten. In einigen Städten sorgte der iranische Geldsegen für schiitische Einrichtungen und Konvertiten für Neid und Frust; ein soziales Problem erschien nun als religiöses.

 

Das Ende Syriens

Die auf demokratische Reformen abzielende Protestbewegung in den Städten schaffte es im Jahr 2011 nicht, einen »syrischen Frühling« auszulösen. Erst die Mobilisierung entlang tribaler Identitäten und Loyalitäten führte zu den ersten Massendemonstrationen. Die Stadt Dar’a, wo die Verhaftung von Schulkindern deren Großfamilien auf die Straße brachte, ist das Symbol dieser Zäsur. Die gewaltfreie Form und die interreligiöse und interethnische Ausrichtung dominierte noch monatelang die Proteste in syrischen Dörfern und Städten. Erst die anhaltende Brutalität des Regimes führte zur Militarisierung des Konfliktes. Verstärkt wurde diese von der internationalen Politik, die abgesehen von Verbalnoten untätig blieb.

An die Stelle von Massendemonstrationen traten nach dem Tod von tausenden ZivilistInnen militante hit-and-run-Aktionen von übergelaufenen Soldaten, bewaffneten Oppositionellen sowie salafistischen und jihadistischen Milizen, u.a. aus dem Irak. Neben Lynchaktionen von Seiten regimetreuer, teilweise alawitischer Milizen und Übergriffe auf zumeist mehrheitlich sunnitische Dörfer und Städte traten Lynchaktionen von Seiten sunnitischer Milizen. Und an die Stelle des Slogans »Kein Muslimbruder und kein Salafist, ich bin Anhänger der Freiheit« trat angesichts der Brutalität der Kämpfe der verzweifelte Ausruf »Allahu akbar« (Gott ist groß) – nun jedoch immer öfter gerufen aus islamistischer Inbrunst.

Im Moment sieht es so aus, als würden die modernen Ideologien des ethnischen Nationalismus und Islamismus eine Allianz eingehen und eine Neuordnung der Region herbeiführen – auf der Basis ethnoreligiöser Identitäten, durchgesetzt mittels »ethnischer Säuberungen«.

 

 

Hannes Bode hat Islamwissenschaft und Geschichte studiert und ist freier Referent und Autor.

 

 

Erläuterung: Imaginierte Abstammungskollektive

Die im Text verwendeten ethnoreligiösen und nationalen Zuschreibungen stehen für moderne, identitäre und als homogen vorgestellte Kollektive – »imagined communities« (Benedict Anderson). Verschiedene Faktoren haben dazu beigetragen, dass sie, obwohl sie real noch nie existierten, heute wieder die größte Rolle für Selbst- und Fremdzuschreibungen spielen. Ethnoreligiös sind diese Zuschreibungen, weil sie die Einzelnen unabhängig von ihren Vorstellungen und ihrer religiösen Performanz an ein Abstammungskollektiv binden.

Von der Mehrheit der Sunniten unterscheiden sich die Schiiten durch die Verehrung des Kalifen Ali und einer folgenden Reihe von Imamen. Sie folgen mehrheitlich einer religiösen Elite von Heils- und Wissenvermittlern. Die Alawiten, früher Nusairier genannt, sind eine aus der Schia und vorislamischen Lehren entstandene Strömung, die noch stärker auf eine Tradition des Geheimwissens setzt, wie auch die Drusen. Die Mehrheit der Christen in der Region sind Maroniten, sie hängen einer mit Rom unierten Abspaltung der syrisch-orthodoxen Kirche an.

332 | Wem gehört die Stadt?
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