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Editorial zum Dossier

In weiter Ferne — die Abschaffung der Armut

Die Weltspitze der Superreichen wird von dem 73-maligen Dollar-
Milliardär Carlos Slim aus Mexiko angeführt. Der Hongkong-Chinese Li Ka-shing hält sich mit einem Vermögen von 31 Milliarden USDollar ebenfalls in den Top Ten der Superreichen. Auch wenn die Forbes-Liste nach wie vor von den USA, Kanada und Westeuropa dominiert wird: Der Reichtum erreicht auch den geografischen Süden.
Mit der Globalisierung des Reichtums globalisiert sich jedoch auch die Armut. Für sie gibt es keine Forbes-Listen, nur selten erhält auch eine/r der Armen ein Gesicht, zum Beispiel in der Belletristik. Der Roman »Der Jakubijân-Bau« des ägyptischen  Schriftstellers Alaa al-Aswani beschreibt eine Szene, in der sich  Armut und Reichtum begegnen, so: »Das waren die kleinen Alltäglichkeiten: die warme, weiche Hand, die ein Hausbewohner lässig ausstreckte, um ihm ein Trinkgeld zu reichen; worauf er die Hand zum Gruß zu erheben hatte, um dem Wohltäter heiß und ergeben zu danken«.
Die Rollen sind klar verteilt, ein Ausstieg aus der Armut erscheint
für den Bettler nicht wahrscheinlich. Obwohl die Welt längst die Mittel zur Beseitigung der Armut bereithält und Armut angesichts der steigenden Kluft zwischen Arm und Reich als Skandal betrachtet wird, ist ihr Fortbestehen gesichert. Trotz des verkündeten »Aufstiegs des Südens«, wie der Titel des jüngsten UN-Entwicklungsberichtes verheißt, und trotz großer Empörung über verharmlosende Armutsberichte, wie jüngst in Deutschland, wird die Existenz von Armut nicht grundsätzlich in Frage gestellt.

Immer wieder fallen uns gewaltförmige Prozesse und die Schaffung neuer Armut auf. Sie verbirgt sich oft hinter dem wirtschaftlichen Wachstum einiger Länder, die ihre Armutszahlen tatsächlich unterden Optimismus vom »Aufstieg des Südens« zurück. Die Vermessung der Armut wird als ebenso zweifelhaft bewertet wie der Hype um den breiter werdenden Wohlstand Chinas. Rohstoffreichtum, der Systemwechsel ehemals sozialistischer Regimes im Osten, globale Sozialstaatlichkeit, karitative Ansätze der islamischen Charity oder die Wunderwaffe Bildung: Überall haben wir Einwände gegen die gängigen Rezepte und Hoffnungsträger. Armut hat eigentlich nur noch Feinde. Aber trotzdem hat sie eine Zukunft. Um sie zu durchkreuzen, wird es mehr brauchen, als milde Gaben, Sozialstaatlichkeit und Wirtschaftsaufschwung.


die redaktion

 

 

Filmstills…


Viele Dokumentar- und Spielfilme haben sich mit den Gesichtern
der Armut, mit ihren Ursachen und Ausdrucksformen beschäftigt.
Sie sind das Gegenteil von Statistiken, denn sie legen nahe, wie
Armut in jeden Aspekt des Lebens dringt, wie sie sich anfühlt – und nicht nur, wie sie vielleicht aussieht. Daher haben wir uns entschieden, den Themenschwerpunkt mit Filmstills aus einer Auswahl dieser Filme zu bebildern. Die Stills stehen hier als Platzhalter für die vielen Facetten eines Lebens in Armut – die sich kaum in einem Bild festhalten lassen – und für die Würde derjenigen, die sich gegen sie auflehnen. Angesichts der Schwierigkeit, Armut sachlich zu erfassen haben wir die Beiträge mit Zitaten aus der Belletristik ergänzt.

 

Dieses Dossier entstand mit finanzieller Förderung des BMZ und von Brot für die WElt - Evangelischer Entwicklungsdienst bzw. der Evangelischen Landeskirche Baden. Herzlichen Dank!

336 | das Ende der Armut
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