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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 352 | Refugees & Selbstermächtigung Lutz van Dijk: Afrika – Geschichte eines bunten Kontinents

Lutz van Dijk: Afrika – Geschichte eines bunten Kontinents

Neu erzählt mit afrikanischen Stimmen. Peter Hammer Verlag, Wuppertal, 2015. 319 Seiten, 22 Euro.

Eine Schlüsselfrage bei der Auseinandersetzung mit postkolonialen Themen ist die Vermittlung von Kenntnissen und Reflexionsansätzen an Jugendliche. Für viele ist Afrika ein einziges Land, was dem bruchstückhaften Schulunterricht insbesondere in den Fächern Geographie und Geschichte geschuldet ist. Oft kennen SchülerInnen Afrika nur als Hunger- und Kriegsgebiet – trotz aller anders lautenden entwicklungspolitischen Materialien.

Dem kann Lutz van Dijks anschauliches Buch Afrika – Geschichte eines bunten Kontinents entgegensteuern. Seine mit vielen historischen Karten versehene Darstellung beginnt vor 550 Millionen Jahren und endet im Frühling 2015. Ein ganzes Kapitel widmet der Autor den Jugendprotesten in Nordafrika. Das unterscheidet seinen Band von anderen Afrikabüchern, die sich auf das sub-saharische Afrika beschränken, aber dennoch im Titel suggerieren, über ganz Afrika zu informieren. Van Dijk ist Historiker und lebt seit 2001 in Kapstadt, wo er gemeinsam mit südafrikanischen PädagogInnen Kinderprojekte aufgebaut und Schreibwerkstätten für Jugendliche aus Townships initiiert hat. Diese Erfahrungen prägen sein Buch.

Van Dijks verständlich geschriebene Zeitreise durch die Geschichte Afrikas lässt systematisch Stimmen von AfrikanerInnen unterschiedlichen Alters und Status’ zu Wort kommen. Neben namhaften PolitikerInnen und SchriftstellerInnen schreiben auch junge Menschen über Transformationsprozesse und Umbrüche in ihrem Alltag. Ausgewählte Lebenserinnerungen lassen historische Ereignisse wie etwa politische Unabhängigkeitskämpfe lebendig werden. Beispielsweise berichtet eine Townshipbewohnerin, wie sie und andere SchülerInnen gegen die rassistische Bildungspolitik protestierten. Zum Kampf gegen die Diktaturen in Tunesien und Ägypten kommen junge AktivistInnen zu Wort, auch an getötete Jugendliche wird erinnert.

Vorkoloniale Strukturen und nachkoloniale Entwicklungen werden ebenfalls von unterschiedlichen AkteurInnen erklärt. Sie illustrieren und kritisieren politische Machtverhältnisse, ausbeuterische Wirtschaftsbeziehungen und komplexe gesellschaftliche Dynamiken auf unserem südlichen Nachbarkontinent. Sie prangern die teilweise politisch motivierte Gewalt brutaler Herrscher an und nehmen gegenüber der Verantwortung europäischer Mächte kein Blatt vor den Mund.

Ein ganzes Kapitel widmet Van Dijk der Flucht von AfrikanerInnen nach Europa. Darin veranschaulichen er und afrikanische MigrantInnen die Fluchtgründe. Vor allem Menschen aus Westafrika und den Mittelmeerländern prangern das fahrlässige Ertrinkenlassen zahlloser junger AfrikanerInnen auf der Suche nach einem menschenwürdigen Leben an. Sie weisen auf aktuelle politische Machtverhältnisse und historische Zusammenhänge hin. Hier werden die heutigen wie die auch historischen direkten Verbindungen zwischen Europa und Afrika besonders deutlich.

Rita Schäfer

352 | Refugees & Selbstermächtigung
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