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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 369 | Friedensprozesse Rommel Roberts: Wie wir für die Freiheit kämpften

Rommel Roberts: Wie wir für die Freiheit kämpften

Ein Buch mit Augenmerk auf die stillen HeldInnen im gewaltlosen Kampf gegen die Apartheid in Südafrika.

Am 18. Juli 2018 wäre Nelson Mandela 100 Jahre alt geworden. Nicht nur in Südafrika wurde dieses »Mandela Centenary« gefeiert, auch an vielen anderen Orten in der Welt gedachte man Mandelas und seinen erfolgreichen Anstrengungen für einen friedlichen Übergang zur Demokratie in Südafrika. Besonders sein Mut zur Versöhnung wurde hervorgehoben.

Trotz Mandelas großer Verdienste sind es aber nicht nur die ‚großen Männer‘ gewesen, die einen gesellschaftlichen Wandel bewirkten, sondern auch die einfachen Menschen an der Basis. »Von stillen Heldinnen und Helden in Südafrika« lautet daher zu Recht der Untertitel von Rommel Roberts’ 2014 auf Deutsch erschienenem Buch »Wie wir für die Freiheit kämpften«. Nun hat Roberts die englischsprachige Originalfassung mit dem Titel Seeds of Peace überarbeitet und neue Kapitel hinzugefügt, besonders zur aktuellen Situation in Südafrika.

Roberts richtet sein Augenmerk auf die Menschen, die mit gewaltlosem Widerstand und mutigen Aktionen für ein neues und gerechteres Südafrika kämpften. Als »Coloured« hat Rommel Roberts die Auswirkungen der Apartheid schon als Kind erlebt. Nach dem Studium der Theologie und Philosophie war Roberts in verschiedenen Townships in der Gemeindearbeit aktiv. Er arbeitete mit Bischof Tutu zusammen – der dann auch ein Vorwort zu Roberts´ Buch geschrieben hat – und kümmerte sich besonders um die Menschen in den informellen Siedlungen rund um Kapstadt.

Der Kampf gegen die Passgesetze, gegen die Unterdrückung und unmenschliche Behandlung der Schwarzen und ihre Zwangsumsiedlungen durch das Apartheid-Regime wird von Roberts anschaulich dargestellt. Er widmet die einzelnen Kapitel jeweils einer Person, mit der er zusammengearbeitet hat und deren mutiges Engagement seiner Ansicht nach nicht genügend anerkannt und gewürdigt wurde. Ein weiteres Kapitel handelt von seinen Erfahrungen im Gefängnis. Wegen seiner Aktivitäten gegen die Apartheid war er mehrmals inhaftiert worden.

Roberts schildert viele Aktionen und unterschiedliche Formen des Protests gegen die Apartheid und die desolaten Lebensbedingungen in den Townships und informellen Siedlungen. Sein Kampf gegen die Apartheid war immer bestimmt durch das Eintreten für die grundlegenden Menschenrechte und Gewaltlosigkeit. Roberts ist überzeugt, dass der friedliche Übergang in Südafrika nur durch den gewaltlosen Widerstand der Massen gelungen ist. 1994 engagiert sich Rommel Roberts bei der Organisierung der ersten freien Wahlen, wovon er in einem weiteren Kapitel erzählt.

Nach dem Ende der Apartheid sieht er klar die Herausforderungen für das neue Südafrika. Er kritisiert die bisherige Entwicklung und wendet sich vor allem gegen Korruption und mangelnde Dienstleistungen des Staates. Bis zum heutigen Tag engagiert sich Roberts für die Menschenrechte. Seit einigen Jahren ist er Manager des Hilltop Empowerment Centre im Eastern Cape, das die Lebensbedingungen der ländlichen Bevölkerung verbessern will, indem es Ausbildungsprojekte in verschiedenen Bereichen anbietet.

 

Christina Stiefel

 

Rommel Roberts: Wie wir für die Freiheit kämpften. Von stillen Heldinnen und Helden in Südafrika. Verlag Lokwort, Bern 2014. 224 Seiten, 14,90 Euro.

Rommel Roberts: Seeds of Peace. Stories of silent heroes and heroines in South Africa. Digiboo Verlag, Küsnacht 2018. 229 Seiten, 15,10 Euro.

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