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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 378 | UNO am Ende? Andreas Bohne/ Bernd Hüttner/ Anja Schade (Hg.): Apartheid No!

Andreas Bohne/ Bernd Hüttner/ Anja Schade (Hg.): Apartheid No!

Facetten von Solidarität in der DDR und BRD. Rosa Luxemburg Stiftung, Berlin 2019. 312 Seiten, Creative Commons.

Mit Solidarität gegen Apartheid

30 Jahre nach der Freilassung Nelson Mandelas ist es angebracht, über die Anti-Apartheid- Bewegung in den beiden deutschen Staaten zu reflektieren. Der anschauliche Sammelband Apartheid No! lässt die Erfahrungen der früheren Aktivist*innen aus Ost und West Revue passieren. Während in Südafrika die mangelnde Aufarbeitung der Greuel des Apartheidregimes, konkret die Verantwortung ranghoher Politiker für Auftragsmorde und Folterungen, virulent bleibt, ist hierzulande die Erinnerung an diese rassistischen Verbrechen weitgehend aus dem Blick geraten. Das will dieses Buch ändern.

Die gegensätzliche Haltung der BRD und der DDR zum Apartheidstaat ist Teil der getrennten deutschen Geschichte während des Kalten Kriegs. So zählte in der DDR die Solidarität mit dem African National Congress (ANC) zur staatlichen Politik. Demgegenüber pflegten die Bonner Regierenden mit der weißen Minderheitsregierung in Pretoria gute Beziehungen. Frankfurter Banken gaben umfangreiche Kredite, auch Rüstungs- und Atomgeschäfte verstießen gegen internationale Sanktionsbeschlüsse. Westdeutsche Firmen verdienten an der Ausbeutung schwarzer Arbeiter*innen. Lobbyisten setzten alles daran, dass dies so blieb. Diese Kollaboration motivierte westdeutsche Solidaritätsgruppen, der Bonner Südafrikapolitik Paroli zu bieten. Öffentliche Proteste wurden jedoch von Polizei und Justiz wiederholt kriminalisiert und entsprechend sanktioniert. Gleichzeitig bildeten sich in der DDR neben den staatlichen Vorgaben kirchliche Initiativen zur Unterstützung der diskriminierten schwarzen südafrikanischen Bevölkerung.

All das erläutert dieser multi-perspektivisch angelegte Sammelband in über dreißig Beiträgen. Die sinnvolle Aufteilung der Kapitel ermöglicht ganz unterschiedliche Zugänge zum Thema. Zunächst geht es um institutionelle Strukturen und Prozesse, etwa auf diplomatischer Ebene. Dann werden heterogene Motive und Mobilisierungsformen erläutert. Je nach Standpunkt berichten die Autor*innen eher politisch-analytisch oder persönlich und selbstkritisch reflektierend. Dabei kommen ideologische Kontroversen zur Sprache, beispielsweise über die ausschließliche Förderung des ANC oder die Unterstützung auch anderer Widerstandsorganisationen, etwa des Pan African Congress (PAC).

Dem schließen sich reich illustrierte Beiträge über Kultur als Protestform an. Hier werden Plakate, Musik und Konzerte, insbesondere die Auftritte der bekannten südafrikanischen Sängerin Miriam Makeba, in kulturpolitische Zusammenhänge eingeordnet. Etliche Artikel enden nicht mit der Abschaffung der Apartheid, sondern beziehen darauffolgende Aufgaben ein. Dazu zählen Unternehmensverantwortung, Überwindung ökonomischer Ungleichheiten sowie Einsatz für mehr Gerechtigkeit – kurz, ein neuer Internationalismus. So vermittelt das kostenlos verfügbare Buch ein facettenreiches Bild, das durch eine multimediale Webseite mit aufschlussreichen Zeitzeugen*innen-Interviews ergänzt wird.

von Rita Schäfer

 

Andreas Bohne/ Bernd Hüttner/ Anja Schade (Hg.): Apartheid No! Facetten von Solidarität in der DDR und BRD. Rosa Luxemburg Stiftung, Berlin 2019. 312 Seiten, Creative Commons.

Bestellung oder Download unter www.rosalux.de/publikation/id/41332/apartheid-no/

Multimediale Webdokumentation: https://apartheid-no.de

378 | UNO am Ende?
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Aus der Magazinsendung vom Mai 2020:

Weiterhin hält uns die Pandemie in Atem und wir beschäftigen uns wieder mit den Auswirkungen der Pandemie im Globalen Süden. Diesmal liegt unser Fokus darauf, welche autoritären Maßnahmen Regierungen ergreifen, um gegen oppositionelle und soziale Bewegungen vor zu gehen - ganz im Zeichen des Schutzes vor dem Virus.

Die Beiträge im Mai:

 




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