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Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 380 | Science-Fiction Gord Hill: Antifa – Hundert Jahre Widerstand

Gord Hill: Antifa – Hundert Jahre Widerstand

Der Comic feiert die Held*innen der Vergangenheit und Gegenwart

Make Antifa Great Again

Nachdem Reaktionäre von Donald Trump bis hin zur AfD immer wieder ein Verbot »der Antifa« fordern, erscheint es sinnvoll, sich einmal näher mit ihr auseinanderzusetzen. Als Einführung in Form eines Comics bietet sich hierfür Antifa – Hundert Jahre Widerstand des kanadischen Autors und Comiczeichners Gord Hill an.

Hill zeichnet die Geschichte des Faschismus im letzten Jahrhundert sowie den militanten antifaschistischen Kampf dagegen nach. Von der Entstehung des Faschismus in Italien reicht die Erzählung über den Ku-Klux-Klan bis zur »neuen Rechten« in Europa. Hill beschreibt die ideologischen und politischen Inhalte des Faschismus. Doch der Schwerpunkt liegt auf dem Widerstand, beginnend bei den Arditi del Popolo (»Die Kühnen des Volkes«), die sich in den 1920er Jahren bewaffnet den Schwarzhemden Mussolinis in den Weg stellten.

Hill dokumentiert den aktiven Kampf der deutschen Kommunist*innen vom Roten Frontkämpferbund und der 1932 gegründeten »Antifaschistischen Aktion« gegen die Nazi-Sturmtruppen. Die zahllosen militanten Antifaschist*innen, die in den internationalen Brigaden in Spanien gegen das Franco-Regime kämpften, werden ebenfalls gezeigt. Dass Hill auch den Kampf der Alliierten gegen das nationalsozialistische Deutschland in die Tradition des antifaschistischen Kampfes stellt, verwundert angesichts der Appeasement-Politik der 1930er Jahre. Jedoch richtet er den Fokus vor allem auf die widerständigen Praktiken der Edelweißpiraten, der Studierenden der Weißen Rose, aber auch auf die Aufständischen des Warschauer Ghettos sowie die Partisan*innen in Italien, Jugoslawien und Griechenland. Hier zeigt Hill auch den Zusammenhang zwischen Antifaschismus und Revolution auf. Vielen Kämpfer*innen ging es nicht nur um das Ende der faschistischen Herrschaft, sondern auch darum, eine neue postkapitalistische Gesellschaft zu errichten.

Im zweiten Teil beleuchtet der Comic den internationalen Antifaschismus nach dem Zweiten Weltkrieg. Verschiedene Länder und ihre Gruppen werden vorgestellt, wie das Southall Youth Movement oder die Anti-Nazi-League, die das Wiedererstarken des Faschismus in Großbritannien bekämpften, oder die autonomen Antifa-Gruppen, die in den 1980er Jahren in Westdeutschland entstanden. Weitere Kapitel widmen sich Antifa-Gruppen in Italien, Griechenland, Russland, Frankreich und Ukraine, aber auch in Syrien, Schweden, den USA und Kanada.

Der Comic feiert die Held*innen der Vergangenheit und Gegenwart. Hill dokumentiert kraftvolle Momente des Widerstands aus den Blickwinkeln der Protagonist*innen selbst. So vermittelt er ein starkes Gefühl und einen globalen Blick auf die Bewegung. Kritikwürdig ist die etwas grobschlächtige Darstellung im Comic: Auf der einen Seite böse Nazis mit Glatze, viele Hakenkreuze und gestreckte rechte Arme, auf der anderen Seite Antifa-Logos, Schwarzer Block und entschlossene, aber sympathische Aktivist*innen. Das tut dem Buch keinen Abbruch, macht aber seinen einführenden Charakter deutlich.

Christopher Wimmer

Gord Hill: Antifa – Hundert Jahre Widerstand. Bahoe Books, Wien 2020. 116 Seiten, 17 Euro.

380 | Science-Fiction
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