Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Kontakt Spenden Abo Newsletter
Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 301 | Kunst, Politik und Subversion Amma Darko: Das Lächeln der Nemesis

Amma Darko: Das Lächeln der Nemesis

Roman. Aus dem Englischen von Kirsten Esser. Schmetterling-Verlag, Stuttgart 2006. 259 Seiten, 18 Euro

Rezension: Wer was warum verdient

Die ghanaische Autorin Amma Darko ist ein Phänomen. Sie verfasst ihre Unterhaltungsromane vorrangig für den deutschen Büchermarkt, aber mittlerweile hat sie damit auch in ihrer Heimat und im weiteren Ausland beachtlichen Erfolg. Es begann mit ihrem Erstling "Der verkaufte Traum", in dem die Autorin vor gut 15 Jahren ihre Immigrantinnenjahre in Deutschland beschrieb. Doch das ist nun schon vier weitere Romane und einen Erzählungsband her, und inzwischen hat sich Darkos Literatur stilistisch etwas erweitert. Darko schreibt kaum noch autobiografisch, hat den Schauplatz ihrer Bücher nach Afrika verlegt, und sie versucht sich neuerdings sogar in Rückblenden und inneren Monologen.

Freilich ist Darko dem Genre der Unterhaltungsliteratur treu geblieben, wie auch ihr Buch Das Lächeln der Nemesis beweist. Ernst nehmen kann man Darkos neue Geschichte nicht. Denn die 52-jährige Schriftstellerin packt alles in die Handlung ihres neuen Romans hinein, was ihr unterkommt und was das interna-tionale Publikum interessieren könnte. Da geht es um Sekten und Prediger, um Hexen und böse Orakel, um Liebe, Sex, Prostitution, Aids und Seitensprung, um konkurrierende Radiosendungen und um einen alten Fluch, der aus dem Jenseits herüberwirkt wie in einem Hollywood-Mysterienspektakel. Auch bei diesem Fluch geht es um Sex - genauer um Polygamie, Sugar Daddies und das Feilschen um den Höchstpreis, der mit Sex erzielt werden kann. Dabei ist nicht zu vergessen, dass in afrikanischen Ländern das weibliche Schreiben über Sex dazu beitragen kann, die Tabuisierung des öffentlichen Sprechens von Frauen über Sex, das in merkwürdigem Missverhältnis zur männlichen Praxis steht, zu brechen.

Dass Darko dabei aber die Haupthandlung bisweilen aus dem Auge verliert, darf die LeserInnen, denen es nicht anders ergeht, aber nicht stören. Zuverlässig löst sich gegen Ende des Buches der Spuk auf - wobei allerdings nicht ganz klar wird, wie es das Schicksal mit zahlreichen weiteren Figuren meint. Hat zum Beispiel die junge Randa, die sich eigentlich als Cora entpuppt und als Rachegöttin für die Schmach fungiert, der ihrer Familie angetan wurde, nun auch Aids?

Kein Zweifel: Darkos Roman wird seine LeserInnen finden, denn ihre Fangemeinde hier zu Lande ist treu. Aber schade ist es doch, dass derlei - natürlich durchaus berechtigte - Unterhaltungsliteratur unverhältnismäßig stark das Image afrikanischer Literaturen in Deutschland prägt. Aber das Selbe ließe sich auch von den Emotionsschmökern der Kamerunerin Calixte Beyala oder der Südafrikanerin Marita van der Vyver sagen. Letztlich bekommen LeserInnen die Literatur, die sie verdienen - und damit auch die Botschaft, die sie hören wollen. In diesem Roman lautet sie: Keine Tat bleibt ohne Sühne. Und das könnte zu verantwortlicherem Handeln beitragen, immerhin.

Manfred Loimeier

301 | Kunst, Politik und Subversion
Cover Vergrößern