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Hefteditorial

Lesbar bleiben, schicker werden

Liebe LeserInnen, im letzten Editorial berichteten wir vom selbstbewussten Auftritt einer 44-jährigen, die Sie alle gut kennen: die iz3w. Sie hatte gegenüber der Redaktion darauf bestanden, eine anständige Schriftgröße spendiert zu bekommen. Und weil sie unserem Urteilsvermögen nicht recht traute, hatte sie verlangt, die LeserInnen in die Entscheidung über eine Reform des Layouts einzubeziehen.

Die eingetroffenen Rückmeldungen ließen zunächst keine klare Tendenz erkennen. Eine Leserin schrieb: »Also wenn ihr die Frage nicht aufgeworfen hättet, wär’ alles ganz wunderbar gewesen, so wie die iz3w bisher ist.« Hmm, doch lieber alles so lassen wie es ist? Ein anderer Leser zweifelte ausdrücklich an der größeren Schrift: »Persönlich erkenne ich dafür jedenfalls keine Notwendigkeit.« Er wie auch weitere LeserInnen zeigten sich besorgt, es könnten künftig die Texte zu kurz kommen: »Ich bin weiterhin sehr angetan von der inhaltlichen und redaktionellen Qualität der iz3w, so dass es natürlich schade ist, den Umfang um zehn Prozent zu reduzieren.« Ein anderer ergänzte: »Und mehr Weißflächen brauche ich auch nicht.« Irgendwie freuten uns diese Bedenken, gründen sie doch auf der Sorge vor einem Niveauverlust – was ja voraussetzt, dass eines vorhanden ist. Andererseits saß uns aber die iz3w mit ihrer Forderung im Nacken. Und da wir sie sehr schätzen, wollten wir sie keinesfalls verärgern.

Je mehr Feedback eintraf, desto größer wurde außerdem die Zustimmung: »Das Vorhaben, eine größere Schrift für die Zeitschrift zu wählen, ist sehr lobenswert!« Sogar aus der »Inhalte gehen vor«-Fraktion gab es Zuspruch: »Zwar gehöre ich zu den Leuten, denen Inhalte wichtiger sind als äußere Formen: Aber optische LESBARKEIT ist ein sehr pragmatisches Anliegen.« Ein anderer, der betonte, dass er die iz3w noch ohne Brille lese, gab uns auf den Weg: »Trotzdem fände ich es sehr angenehm, wenn Ihr nun den großen Sprung auf neun Punkt und zwei Spalten wagen würdet. Von mir aus gerne weiterhin in Stone – man muss ja nicht gleich mit allen Gewohnheiten brechen.«

Und genau so kommt es nun: Die alte Schrift (Stone) wird beibehalten, aber moderat vergrößert. Zugunsten besseren Leseflusses stellen wir auf ein Zweispalten-Layout um. Für den kreativen Input und die partizipative Entwicklung des neuen Layouts bedanken wir uns herzlich beim Grafikbüro magenta sowie bei allen LeserInnen, deren Feedback erkennen lässt, wie sehr ihnen die Zeitschrift am Herzen liegt. Nun können wir bestätigen, was ein Leser schrieb: »Ja, die Beschäftigung mit Schriftarten und -größen ist manchmal wichtig, immer zeitraubend und kann auch lustig sein.«

Die »Inhalte vor«-Fraktion muss sich übrigens keine Sorgen machen. Bei unserem jüngsten Planungstag standen binnen kurzer Zeit derart viele gute Ideen für Themenschwerpunkte auf dem Flipchart, dass wir eine echte Qual der Wahl hatten. Das Jahr beginnt mit einem harten, leider notwendigen Thema: Folter und staatliche Gewalt. Laut Amnesty International wird in 141 Staaten gefoltert oder folterähnliche Gewalt ausgeübt. Ein Skandal, der nach mehr publizistischer Aufmerksamkeit verlangt.

Ein unterbelichtetes Thema sind auch die prekären Arbeitsverhältnisse im Bereich Transport und Logistik. Dabei ist dieser Sektor eine Leitbranche der Globalisierung. Seine Bedeutung wächst mit jedem Hafenkilometer der Logistikzentren in Tsingtao oder Shanghai.

Heiß debattiert ist die Frage, wie Sexarbeit einzuschätzen ist. Ist sie einer der schlimmsten Auswüchse patriarchaler Unterdrückungsverhältnisse und sollte ohne Wenn und Aber abgeschafft werden? Oder könnte sie eine ganz ‚normale’ bezahlte Dienstleistung sein, wenn denn die Rahmenbedingungen stimmen, wie gute Arbeitsbedingungen und fehlende Stigmatisierung?

Am unteren Rande der Gesellschaften stehen meist auch jene Stigmatisierten, die den Müll anderer entsorgen. Im Umgang mit Müll und den Menschen, die mit ihm arbeiten (müssen), zeigt sich das Gesicht der herrschenden Gesellschaftsordnungen besonders deutlich, sowohl auf lokaler als auf globaler Ebene, sowohl in sozialer als auch in ökologischer Hinsicht.

Separatismus ist ein Thema, das nicht nur wohlhabende Weltregionen wie Schottland umtreibt, sondern auch in vielen Ländern des Südens brisant ist. Beruht der Wunsch nach einem eigenen Staat auf legitimer Gegenwehr gegen Marginalisierung? Oder sind diese oftmals ethnonationalistischen Bestrebungen schlicht reaktionär?

Nicht selten hat Ethnonationalismus eine rassistische Komponente. Den auch in vielen Ländern des Südens existenten Rassismus wollen wir jedoch eher indirekt thematisieren, indem wir dortige antirassistische Bewegungen, ihre Arbeit und ihr gesellschaftliches Umfeld vorstellen.

Nicht fehlen bei den Themenschwerpunkten darf ein kulturelles Thema. Diesmal wird es um Spielfilme mit politischem Hintergrund gehen. Viele Produktionen aus allen Teilen der (Film-)Welt sind als politischer Kommentar zu verstehen: Mal explizit, mal eher angedeutet, um die Zensur zu umgehen oder um Plattitüden zu vermeiden.

2015 wird ein guter Jahrgang! Umso mehr, wenn LeserInnen ganz partizipativ zu AutorInnen werden und zu den genannten wie auch zu anderen Themen beitragen. Darauf freut sich schon

die redaktion

 

P.S.: Ein leidiges Thema ist Geld. Am liebsten würden wir es zwar abschaffen, aber bevor der Mangel daran uns abschafft, bitten wir um kleine und große Spenden. Sie ermöglichen uns, nicht nur die Zeitschrift weiter zu entwickeln, sondern auch Radiosendungen zu erstellen, Bildungsarbeit zu leisten und Veranstaltungen zu organisieren.

Wir bitten daher um freundliche Beachtung des beiliegenden Überweisungsträgers.

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"Von Barrieren und GrenzgängerInnen"

Paula Alberto Kimwanga, 30 Jahre, Lehrerin, Malanje/Angola. Foto: Flurina Rothenberger