Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Kontakt Spenden Abo Newsletter
Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 354 | Zugemüllt Christian Jakob: Die Bleibenden - Wie Flüchtlinge Deutschland seit 20 Jahren verändern

Christian Jakob: Die Bleibenden - Wie Flüchtlinge Deutschland seit 20 Jahren verändern

In Anbetracht eines Ohnmachtsgefühls nicht in Fatalismus zu verfallen, sondern die diffusen Solidaritätsgefühle zu politisieren, schafft "Die Bleibenden" von taz-Redakteur Christian Jakob. Er erzählt von denjenigen Menschen, die in Deutschland angekommen sind, und ihren Kämpfen gegen die Isolation und für ein humanitäres Bleiberecht. Der Autor inszeniert das zur Phrase verkommene Thema der Integration als eine »Geschichte vom Widerstand«.

In Anbetracht eines Ohnmachtsgefühls nicht in Fatalismus zu verfallen, sondern die diffusen Solidaritätsgefühle zu politisieren, schafft "Die Bleibenden" von taz-Redakteur Christian Jakob. Er erzählt von denjenigen Menschen, die in Deutschland angekommen sind, und ihren Kämpfen gegen die Isolation und für ein humanitäres Bleiberecht. Der Autor inszeniert das zur Phrase verkommene Thema der Integration als eine »Geschichte vom Widerstand«. Diese Geschichte vom Widerstand zeichnet er umfang- und faktenreich nach; über Portraits, die Chronologie der Bewegung und die Rolle der involvierten AkteurInnen. All die Quellen lassen sich in einem ausführlichen Anhang, samt Glossar nachschlagen.

Der erste und längste Teil des Buches ist denen gewidmet, die das Erstreiten ihrer Rechte zum zentralen Bestandteil ihres Lebens gemacht haben: Refugees, die hier sind, »um den Kampf weiterzuführen, den wir in unseren Ländern begonnen haben«, so Osaren Igbinoba, Gründer des The Voice Africa Forums. Gemeint sind damit Kämpfe gegen Lagerunterbringungen, für die Rechte von geflüchteten Frauen und gegen die Verharmlosung der Gefahren in den jeweiligen Herkunftsländern. Diese Menschen verbindet ihr Vorgehen gegen eine Isolation, die durch den Asylkompromiss 1992 verschärft wurde, die Geflüchteten sozial ausschließt und so »der Bevölkerung fremd und somit gleichgültig« macht, schreibt Jakob.

Die Chronologie der Bewegung mitsamt ihrer Erfolge, Probleme und Zerwürfnisse schildert Jakob kenntnisreich und in packenden Worten. Im Jahr 2015 macht er das Ende des Bewegungszyklus’ aus: Entlang der Formel »Backkurse und Grillabende statt Hungerstreiks« kommt er zu einer kritischen Analyse der gegenwärtigen Flüchtlingssolidarität, in der Berührungspunkte mit politisch organisierten Geflüchteten größtenteils rar sind. Zum »asylpolitischen Rollback« fehle trotz aller Helfermentalität eine starke zivilgesellschaftliche Gegenposition.

So unterschiedlich die beiden Bücher in der Art ihrer Schilderungen sein mögen, in ihrem Fazit sind sie sich wieder sehr nah. Jakob schlussfolgert, dass die Migration »auch weiterhin ihrer Einhegung voraus bleiben« wird. Lamin, der Bühler seine Geschichte erzählte, scheint dieser Position durch seine Erzählung beizupflichten: »Die Menschen sind schon immer überall auf der Welt herumgereist. Man kann die Menschen nicht davon abhalten zu reisen. Damit schafft man nur Hass und Durcheinander.«

Christian Jakob: Die Bleibenden. Wie Flüchtlinge Deutschland seit 20 Jahren verändern. Ch. Links Verlag, Berlin 2016, 18 €

 

von Amelie Bihl

354 | Zugemüllt
Cover Vergrößern
Südnordfunk zum Thema

Kenia: Waste Pickers& Start-Ups

Elektroschrott nach Ghana?

Waste-Pickers in Südafrika

Elektroschrottkette nachrecherchiert