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Unsere Trump Card

Es gibt Jahre, in denen vieles gut läuft, und andere, die uns noch lange als schlecht in Erinnerung bleiben werden. So wie das Jahr 2016, das mit dem globalen Aufstieg des Rechtspopulismus verbunden ist. Die Wahl des Grusel-Clowns Donald Trump zum Präsidenten der Weltmacht USA war dabei nur der Höhepunkt einer Entwicklung, die sich schon durchs ganze Jahr gezogen hatte. In Deutschland etablierte sich die AfD gleich bei mehreren Wahlen als politische Kraft, an der keine Talkshow mehr glaubt vorbeikommen zu können. Die Briten verwechselten mehrheitlich EU-Kritik mit dumpfem Nationalismus, und in Kolumbien stimmte die von einem rechten Krieger aufgehetzte Bevölkerung gegen den Friedensvertrag. Das erschütternd gute Abschneiden des Rechtspopulisten Norbert Hofer bei den österreichischen Präsidentschaftswahlen war dann kurz vor Jahresende der nächste Tiefschlag.

Wo soll das noch hinführen? Sind wir auf dem Weg in eine Epoche der Restauration? Rassistisch motivierte Übergriffe sind jedenfalls schon jetzt das Ergebnis der rechtspopulistischen Hetzerei. Doch es droht auch die Gefahr einer Weltwirtschaftskrise, in die ein sich hochschaukelnder wirtschaftspolitischer Standortnationalismus mit Sicherheit mündet.

Als wir im Herbst guten Mutes die Themenschwerpunkte des iz3w-Jahrgangs 2017 ausheckten, war klar, dass wir am Thema Rechtspopulismus nicht vorbeikommen, auch wenn zu diesem Zeitpunkt kaum eine/r die Wahl von Trump für wahrscheinlich hielt. Umso notwendiger wird nun der Schwerpunkt sein, den wir in der kommenden Ausgabe präsentieren. Die sich derzeit in vielen Ländern des Globus vollziehende autoritäre Wende wird hintergründig und international vergleichend analysiert werden. Gegenstand von Kritik wird aber auch der nicht durchgängig überzeugende Kampfbegriff »Rechtspopulismus« selbst sein.

Im Frühjahr widmen wir uns einem schöneren Thema, den »Freien Radios«. Anlass dazu bietet der 40. Geburtstag des in Freiburg ansässigen Radio Dreyeckland, mit dem wir unter anderem über unsere iz3w-Sendereihe südnordfunk assoziiert sind. Der Hörfunk ist flüchtiger als Zweimonatszeitschriften, aber er bietet großartige andere Möglichkeiten. In vielen Ländern des globalen Südens ist das Radio eine »Stimme der Unterdrückten«, und im digitalen Zeitalter können sich auch Bewegungen ohne viel Geld die notwendigen Produktionsmittel aneignen.

Weit weg geht es im Sommer mit dem Themenschwerpunkt »Tourismus«. Dieser grenzüberschreitende Wirtschaftssektor beschäftigt über 100 Millionen DienstleisterInnen und macht über eine Billion US-Dollar Jahresumsatz. Laut der Welttourismusorganisation waren im letzten Jahr über eine Milliarde Reisende unterwegs. Wie sieht die kulturelle, ökologische, ökonomische und nord-süd-politische Bilanz dieser gigantischen Mobilitätsmaschine aus?

Den darauf folgenden Themenschwerpunkt »Alter« haben wir schon seit rund 15 Jahren vor. Mussten wir selbst erst in die Jahre kommen, um ihn endlich zu realisieren? Dabei gibt es so viele triftige Gründe, sich mit dem Altern zu befassen. Überall auf der Welt werden die Menschen älter und sie sind längere Zeit gesund. Mit alternden Gesellschaften gehen neue Erfordernisse einher, wie etwa Altenpflege und Altersvorsorge, Wie wird damit in verschiedenen Gesellschaften umgegangen? Ein genauerer Blick in die Statistik widerlegt übrigens jede Rede von der »Einen Welt«. In Burundi, Angola und etlichen anderen afrikanischen Ländern liegt die Lebenserwartung um oder unter 50 Jahre, in Deutschland hingegen bei 80 Jahren.

»Sexualisierte Gewalt« ist das finsterste Thema im neuen Jahr. Wie beim vergangenen Themenheft »Folter« wollen wir die Augen nicht vor der niederschmetternden Realität verschließen. Von sexuellen Übergriffen in der Familie bis hin zu organisierten Vergewaltigungen in Bürgerkriegen sind vor allem Frauen von dieser verheerenden Vermischung aus Patriarchat und Gewalt betroffen.

Das letzte Thema weist schon ins übernächste Jahr, es lautet »1968 international«. Im fünfzigsten Jahr der globalen 68er-Bewegung untersuchen wir eine Soziale Bewegung, an deren Errungenschaften sich die RechtspopulistInnen derzeit die Zähne ausbeißen. Die 68erInnen haben Pflöcke eingeschlagen, über deren Existenz sich Neo-Reaktionäre mächtig aufregen: zum Beispiel der Autoritätsverlust hierarchischer Modelle, Diversitäten und Geschlechteremanzipation. Diese Errungenschaften trotzen sogar feindlichen Regierungsübernahmen. Übrigens ist auch das iz3w ein 68er-Jahrgang, 2018 wird also ordentlich gefeiert.

Soweit der Blick ins neue Jahr. Anregungen zu den genannten und anderen Themen sind uns herzlich willkommen. Es spricht nicht alles dafür, aber wir hoffen, mit unserer geneigten LeserInnenschaft durch ein Jahr 2017 zu gehen, das mehr Aufs als Abs bietet. Unsere trump card dabei bleibt die Kritik des herrschenden Wahns.

 

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