Direkt zum Inhalt | Direkt zur Navigation

Benutzerspezifische Werkzeuge
Kontakt Spenden Abo Newsletter
Sie sind hier: Startseite Zeitschrift Ausgaben 362 | Altern in der Welt Kleine Homestory

Kleine Homestory

Jüngst, auf einer Lesung unter Sternen in einem Freiburger Szeneort, benutzte der Moderator bei der biografischen Kurzvorstellung des Buchautors Jörg Später einen Begriff aus der Biologie: Der vorgestellte Autor einer Biografie über Siegfried Kracauer sei in vergangenen Jahren als kritischer Geist in einem Freiburger Biotop aktiv gewesen. Genauso der Moderator, und so haben sie sich kennengelernt. Dieses Hinterhofbiotop habe einen recht kryptischen Namen, iz3w.

Im Hinterhof freut man sich riesig über das große Interesse, das Jörg Später, nach Jahren des prekären Durchwurstelns im akademischen Betrieb, endlich erfährt. Siegfried Kracauer – das ist kein Mainstreamthema. Und wir veröffentlichen gerade einen Themenschwerpunkt über »Alter im Globalen Süden« – das treibt hierzulande auch nicht jede/n um. Doch Hand aufs Herz: Wir verschanzen uns ja nicht mit Insiderthemen hinter Geheimnamen wie iz3w, um möglichst nicht aufzufallen. Die Biotope sind die kleinsten Einheiten der Biosphäre, und ihnen sei ihr Erhalt gewünscht. Aber für eine »Zeitschrift zwischen Nord und Süd« sind sie kein optimaler Bezug. Kracauer war ein kritischer Intellektueller, den Deutschland ins Exil und die Vergessenheit verdrängt hat. Jörg Später holt ihn auf die große Bühne zurück – und dies in einem Buch, welches das Genre der nacherzählenden Biografie weit hinter sich lässt. Die großen Zeitungen loben etwa die »geistesgeschichtliche Durchdringung eines aufgewühlten Kosmos der Intelligenz«. Jedenfalls macht das Lesen und Zuhören da wieder Spaß.

Auch nicht ganz unspannend ist der Hinterhof selbst. Da ist auch immer etwas los. Unser Archivar Christian Neven-du-Mont wurde jetzt 70. Das war ein Erwachen! So versammelten wir uns kurz zuvor, und sangen für eine Videobotschaft im Hinterhof »Die Internationale« ein. »Die Müßiggänger schiebt beiseite!« und andere Textstellen rufen kritisch-historische Diskussionen hervor, textsicher ist auch kaum jemand, aber wir brachten es über die Bühne. Hat Spaß gemacht.

Warum aber hier diese Innenschau? Ein Grund ist, dass sich eine Mitstreiterin nach 18 Jahren entschieden hat, die Redaktion zu verlassen. Martina Backes wird sich nach dem Aufbau des tourismuskritischen Projektes FernWeh, dem Konzipieren dutzender Heftausgaben und Themenschwerpunkte, dem Verfassen von Reportagen und Analysen, dem Drehen von Filmen, der Gründung der Bildungsarbeit fernsicht und so vielem mehr in neue Sphären aufmachen. Zum Glück für uns wird sie der Magazinsendung »iz3w on air« in unserer Zusammenarbeit mit Radio Dreyeckland erhalten bleiben. Die studierte Biologin bleibt dem Biotop verbunden.

Der Zutritt dorthin steht übrigens allen offen: Die monatlichen Redaktionssitzungen sind öffentlich – alle Interessierten, und damit auch Ihr und Sie, verehrte LeserInnenschaft – sind eingeladen, mit uns zu diskutieren, Themen einzubringen, Ideen mitzuteilen, auf uns entgangene Theorien oder praktische Kämpfe für das »Gute Leben« (= Müßiggang) hinzuweisen. Für die Konzeption und Umsetzung der Themenschwerpunkte im Heft bilden sich – für die Zeit weniger Monate – eigene Arbeitsgrüppchen (= Mikrobiotope), die sich über Zuwachs freuen.

Die Bürostimmung dort oszilliert zwischen angenehm chaotisch und vereint am Mittagstisch auf der einen Seite, und der Überforderung im prekären Projektengagement auf der anderen Seite. Eine auskömmliche 30-Stunden-Stelle hat absoluten Seltenheitswert und auch deren Inhaber ächzen unter ihrer Last, weil in so einem ambitionierten aber randständigen Projekt alles sehr knapp gestrickt ist. Die meisten Mitarbeitenden sind im neoliberalen Selbstständigen-Status und mit Zweit- und Drittjobs unterwegs. Die Terminkoordination ist eine Wissenschaft für sich, weswegen am Ende basisdemokratisch das Sagen hat, wer da ist. Ohne die Freiwilligen, die bei uns oft den Laden am Laufen halten, und die zahlreichen Schreibenden (unsere geliebte AutorInnenschaft), sähe die iz3w ziemlich »alt« aus. Und gelobt seien hier die PraktikantInnen, die ständig frischen Wind in den Laden bringen. Wir möchten unsere LeserInnenschaft nochmals ausdrücklich einladen, sich selbst ein Bild zu machen! Unser Facebook-Auftritt oder die Homepage geben immer die nächsten Veranstaltungen oder Events an, wo man mit uns in Kontakt treten kann. Im informationszentrum dritte welt (iz3w) wiederum sind wir unter der 0761/74003 erreichbar.

Damit sind wir beim nächsten Grund für diese Innenschau angelangt. Das zehnköpfige irgendwie-bezahlte Team hat nun wieder eine Stelle zu vergeben. Wir bitten also, die Stellenanzeige auf Seite 50 zu beachten und auch sonst zu überlegen, welcher Input in die Richtung der iz3w denn vielleicht möglich ist. So freuen wir uns über zahlreiche Zuschriften

 

die redaktion

362 | Altern in der Welt
Cover Vergrößern