Zwischen Neubeginn und Zerstörungswut
Brasilien nach dem Putschversuch
Rund um die Präsidentschaftswahlen in Brasilien 2022 war immer wieder von der Gefahr eines Putsches die Rede gewesen, sollte der damalige Präsident Jair Bolsonaro abgewählt werden. Sein Herausforderer Lula da Silva gewann die Wahl, es blieb erst mal ruhig – bis zur ersten Januarwoche. Dann versuchte ein Mob das Regierungszentrum zu stürmen.
Mit großer Erleichterung haben viele die Amtseinführung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zum Jahresbeginn 2023 verfolgt. Seine Wiederwahl verspricht einen Neuanfang für Brasilien, wobei die Machtverhältnisse, in denen er regieren muss, herausfordernd sind: Die finanziellen Mittel sind knapp. Dennoch weht auf einmal ein anderer politischer Wind.
Lula hat bei seiner Antrittsrede betont, dass in seiner Amtszeit die Befriedung und der Zusammenhalt der Bevölkerung wiederhergestellt werden müssen. Die Bevölkerung sei durch tiefe Gräben gespalten, von Hass, Ideologie und Angst geleitet. Der politisch Andersdenkende sei ein Feind, der bekämpft werden muss. Lula holte die Vielfalt Brasiliens ins Bild, die ihm wichtig ist und die er repräsentieren will. So waren an seiner Seite etwa eine Müllsammlerin und ein Indigener, die ihm die Präsidentenschärpe überreichten.
Jubel und Chaos
Hunderttausende verfolgten und bejubelten in Brasilia die Zeremonie und den neuen Präsidenten, der die Bekämpfung von sozialer Ungleichheit und Hunger weit oben auf seiner Agenda stehen hat. Lula bekannte sich zu einer Klimapolitik, die illegaler Entwaldung den Kampf ansagt und vom Agrarbusiness degradierte Flächen regenerieren will. Diese Ankündigung hat allerdings bereits dazu geführt, dass sich bei Gouverneurswahlen in vielen Bundesstaaten des Amazonasgebiets Kandidat*innen aus dem Bolsonarolager durchsetzen konnten. 27 Gouverneure der Bundess