12 x 8 Meter Licht und Finsternis
Warum die documenta fifteen zum Skandalevent wurde
Seit ihrer ersten Woche stand die Kunstausstellung documenta fifteen in Kassel aufgrund antisemitischer Werke in der Kritik. Die Verantwortlichen haben die Vorwürfe relativiert. Derweil ist die Ausstellung antisemitischer Werke kein bloßer Ausrutscher der Kurator*innen, sondern sie verweist auf eine zunehmende Verflachung politischer Kunst und postkolonialer Theorie, in der sich ein manichäisches Weltbild durchsetzt.
Es dauerte keine drei Tage, bis die am 18. Juni eröffnete documenta fifteen zum bedeutsamen antisemitischen Kunstskandal geriet. Dabei hätte die Leitung des Kunstevents vorgewarnt sein müssen. Bereits im Januar hatte ein Kasseler Blog mit einem polemischen Text die Nähe einer Reihe Beteiligter zur antiisraelischen und weithin als antisemitisch eingestuften Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) bekannt gemacht. Das führte aber lediglich zu einer oberflächlichen Feuilletondebatte über die postkoloniale Ausrichtung als solche und die eigene Positionierung dazu.
Die Auseinandersetzung verlief von Anfang an in bekannten Bahnen: Auf pauschale Vorwürfe, das gesamte heterogene Feld des Postkolonialismus sei antisemitisch kontaminiert, folgten ebenso pauschale Zurückweisungen. Letztere wollten meist nur eine von rechts orchestrierte, rassistische Kampagne als Problematik ausmachen und Antisemitismuskritik an vermeintlich marginalisierten postkolonialen Akteur*innen nicht gelten lassen.
Hoppla, der Mossad
Bei Eröffnung der documenta fifteen mochten die meisten Medienberichte nichts Antisemitisches erkennen. Dabei waren bereits da durch das wegen BDS-Nähe kritisierte palästinensische Kollektiv »Question of Funding« eine Reihe von Collagen der Gruppe Eltiqa aus Gaza ausgestellt. Darauf werden unter dem Titel »Guernica Gaza« bekannte Gemälde von Chagal